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Morgenglosse

Ob wir mit dem Virus fertig werden, entscheidet sich an den Schulen

Erster Schultag in Nordrhein-Westfalen Zwei Schulkinder sitzen mit ihren Tornistern auf einer Bank vor der Schule. In No
imago images/Kirchner-Media
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Nicht in den Krankenhäusern zeigt sich, wie gut wir als Gesellschaft mit diesem Virus zurecht kommen.

Wenn am heutigen Montag Kinder und Jugendliche wieder an die Schulen strömen, werden sie - wie bisher auch immer - neue Jeans und Turnschuhe präsentieren, über neue Lehrer und Fächer reden und neue Schüler vorsichtig beäugen. In der Klasse wird es freilich erst einmal um Tests und Einwilligungserklärungen gehen, wer hat was dabei, wie läuft das in den nächsten Tagen. Und dann kommt das Gespräch vielleicht auch darauf, dass manche Kinder nicht mehr da sind.

Was nicht unbedingt daran liegt, dass sie die Klasse wiederholen (das Sitzenbleiben wurde heuer quasi ausgesetzt), sondern natürlich an Corona. Die Zahl der Schulabmeldungen hat sich vervielfacht, und man kann annehmen, dass noch mehr kommen. Was ein gravierendes Vertrauensproblem offenlegt.

Wo hakt es? Die Eltern (Kinder haben ja wenig zu sagen) sehen das natürlich unterschiedlich, die einen fürchten sich vor der Infektion und ihren gesundheitlichen Folgen. Die anderen vor den Maßnahmen gegen Corona, sie lehnen Tests, Mundschutz und Impfung ab. Wieder andere glauben, dass insgesamt ein Chaos entsteht und ihr Kind wahlweise zu wenig lernt oder zu großem Leistungsdruck ausgesetzt ist.

Die große Gruppe jener, die in der Mitte stehen, die einfach wollen, dass der Unterricht funktioniert, weil Schule aus so vielen Gründen wichtig ist, sorgen sich auch: Weil sie nicht wissen, wie viel Zeit die Kinder tatsächlich dort verbringen werden. Und weil das Thema Bildung und Kinder für die Regierung in der Krise offenbar nie prioritär war. Wird Schule auch heuer wieder zu einer - zum großen Teil - individuellen Angelegenheit, die jede Familie für sich organisiert und organisieren muss?

Schule ist der Ort, der über den Einzelinteressen stehen sollte. Alle müssen das Ziel haben, dass Schule das leisten kann, was sie leisten soll: Bildung. Die Regierung muss endlich zeigen, dass (offene) Schulen oberste Priorität haben. Denn dort erweist sich, wie es um den Zusammenhalt bestellt ist. Und schlussendlich entscheidet sich dort auch, ob wir als Gesellschaft mit dem Virus fertig werden. Und nicht auf den Intensivstationen.