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Pizzicato

Bébel, der Filou

Von François Truffaut stammt der legendäre Satz: „Film ist die Kunst, hübsche Dinge mit hübschen Frauen anzustellen.“

Das war lang vor der #MeToo-Ära, und ungestraft dürfte einer der Regie-Götter der Nouvelle Vague das heute so nicht mehr sagen. Ein Shitstorm wäre ihm sicher – selbst in Frankreich, wo Catherine Deneuve und Co. nicht im US-Mainstream mitschwimmen.

Truffauts Macho-Spruch beschreibt die Essenz der Filmrevolution der 1960er-Jahre, die keiner prägnanter verkörperte als Jean-Paul Belmondo. Wie er mit Zigarette im Mundwinkel und dem ins zerknautschte Gesicht gezogenen Hut in „Außer Atem“ auf die Leinwand trat, versprühte einen lässigen Charme, der stilbildend wirkte – kopiert von Schülergenerationen auf dem Pausenhof.

Dazu zählte wohl auch Emmanuel Macron, der als Jugendlicher schöngeistigen Dingen wie Literatur, Philosophie und dem Theater zugeneigt war – und seiner Lehrerin. Zwischen seinen Rendezvous mit Olaf Scholz und Armin Laschet im Élysée-Palast würdigte der Präsident den Schauspieler als „nationalen Schatz“. Die Franzosen nannten ihn „Bébel“ – wie einen Filou, dem sie alles verziehen. Im Gegensatz zu Alain Delon, dem „eiskalten Engel“. Eine Lebensrolle: Belmondo trug den Spitznamen wie einen Ehrentitel, der ihm als Auszeichnung mehr wert war als jeder César oder Oscar. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2021)