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Städtetourismus

Wien buhlt verstärkt um Luxustouristen

Stairway to Klimt at Vienna Kunsthistorisches Museum
Kunst und Kultur (wie hier die Klimtstiege im KHM) sind für viele Luxusreisende ein Grund nach Wien zu kommen. [ Getty Images ]Getty Images
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Luxusreisende geben sechsmal so viel Geld aus wie durchschnittliche Touristen. Nach Wien kommen sie vor allem wegen der Kultur. Wien Tourismus will nun stärker um den
Luxusgast werben, wie Geschäftsführer Norbert Kettner erklärt.

Der Städtetourismus hat bekanntlich schon einmal bessere Zeiten erlebt. In Wien ist der Umsatz der Nächtigungen im Vorjahr um 75 Prozent eingebrochen. Im Juli dieses Jahres lag die Auslastung bei 40 Prozent, was immer noch die Hälfte eines „normalen“ Julis ausmacht. Kein Wunder also, dass die Branchenvertreter das schnell ändern wollen.
Und dabei sollen Menschen mit sehr viel Geld helfen. Wien Tourismus will in Zukunft verstärkt um Gäste aus dem Luxussegment buhlen und hat deshalb Dienstagabend Vertreter aus der gehobenen Hotellerie, Kunst und Kultur sowie Handwerksbetriebe zum Luxury Cercle ins Belvedere 21 geladen. Der Luxury Cercle versteht sich als Plattform, die die Vernetzung und den Austausch unter Luxusanbietern fördern soll.

„Kein Klassenkampf von oben“

„Im Segment Luxusreisende gibt ein Tourist sechsmal so viel aus wie ein durchschnittlicher Tourist“, sagt Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner im Vorfeld zur „Presse“. Wobei ihm wichtig ist zu betonen, dass man sich nicht ausschließlich um den Luxusgast kümmern wolle. „Wir spielen keinen Klassenkampf von oben oder sagen, es sollen nur die Reichen kommen. Aber das sind wichtige Gäste, um die wir uns verstärkt bemühen wollen“, so Kettner. Ihm sei die Qualität in jeder Kategorie wichtig, eine Billigdestination werde Wien aber nie werden.
Kettner hat auch ein paar Zahlen parat, die den Wert dieser Zielgruppe veranschaulichen sollen. Global mache der Anteil der Luxusreisenden sieben Prozent aus. „Diese sieben Prozent sind für 20 Prozent der Reiseausgaben verantwortlich“, so Kettner. Und: Städtereisen sind mit einem Anteil von 29 Prozent die beliebteste Art der Luxusreisen.
Wer genau ein Luxusgast ist, hängt von der Definition ab. Wien Tourismus hat es offenbar auf das oberste Segment abgesehen. So wolle man sich verstärkt um sogenannte „Ultra High Net Worth Individuals“ (UHNWI) mit einem Vermögen von jeweils über 30 Millionen US-Dollar kümmern. Weil diese Zielgruppe mit rund 300.000 Mitgliedern aber doch begrenzt ist, habe man auch die „High Net Worth Individuals“ (HNWI) im Fokus, die über ein Vermögen von jeweils über einer Million Dollar verfügt. Zu finden sind diese Gäste vor allem in den arabischen Ländern, in Brasilien, China, den USA, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Russland.
Erreicht werden sie nicht über klassische Marketinginstrumente, sondern über spezielle Vereinigungen, wie Concierge Services und Business Clubs sowie Luxusreisenetzwerke. Auch ein neues Imagevideo wurde produziert, in dem Wien von seiner luxuriösen Seite gezeigt wird.
Dass diese Gäste aber nur nach Wien kommen, um in Fünfsternehotels zu wohnen und bei internationalen Luxusketten einzukaufen, sei zu kurz gedacht. Natürlich brauche es das auch. „Aber Wien hat keine 24 Stunden geöffnete Luxusmall und auch kein Restaurant mit dem größten Haifischbecken der Welt“, so Kettner. Hingegen werde Wien als sichere Kulturmetropole bei Gästen aus dem Luxusbereich geschätzt. „In China ist zum Beispiel der Goldene Saal im Musikverein eines der bekanntesten Bilder aus Wien“, so Kettner. Auch der Kunsthandel spiele eine wichtige Rolle. Ein Prozent des globalen Kunsthandels passiere in Wien. „Das mag nicht viel klingen, aber Deutschland, Italien oder die Schweiz kommen auch je auf ein Prozent.“
Dass internationale Luxusmarken auch in Wien vertreten sind, werde von den Gästen als Selbstverständlichkeit erwartet, „wie Fließwasser“, wie Kettner sagt. Besonders wichtig seien aber traditionelle Wiener Handwerksbetriebe, wie Lobmeyr, Wiener Silber Manufactur oder Köchert, die es eben nur hier gibt. „Das ist ein Megatrend, der bleibt. Das Thema Handwerk wird in der Digitalisierung wieder wichtiger werden.“

Neue Luxushotels

Derzeit sind in Wien auch einige neue Fünfsternehotels im Entstehen. So soll das Almanac Vienna am Parkring im Frühling/Sommer 2022 eröffnen. Die Eröffnung des Rosewood in der ehemaligen Erste-Bank-Zentrale am Graben ist für Sommer 2022 geplant. Im Jahr darauf soll das Mandarin Oriental im ehemaligen Handelsgericht in der Riemergasse folgen. Ebenfalls in den Startlöchern ist das neue Leo Grand Hotel der Lenikus-Gruppe am Bauernmarkt.
Kettner schätzt, dass Wiens Tourismus erst im Jahr 2023, 2024 wieder auf das Niveau von 2019 kommen wird. Er hofft, dass die Luxusgäste das beschleunigen.

Auf einen Blick

Luxury Cercle nennt sich die Plattform von Wien Tourismus, bei der sich Anbieter aus Hotellerie, Kunst, Kultur und Handwerk vernetzen, um Gäste aus dem Luxussegment anzusprechen. Dazu wurde auch ein Imagevideo „Vienna – A luxurious journey“ produziert. luxus.wien.info