Korruptionsskandal erschüttert die Fifa

(c) EPA (STEFFEN SCHMIDT)
  • Drucken

Der Weltfußballverband Fifa wird sechs Wochen vor der Entscheidung, wo die Weltmeisterschaft 2018 und 2022 stattfinden wird, von einem Skandal erschüttert. Wieder einmal stehen Korruptionsvorwürfe im Raum.

Zürich. Die beiden Herren gaben sich als Konsulenten US-amerikanischer Unternehmen aus. Sie hätten reges Interesse daran, dass die USA die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausrichten, sagten sie. Und sie seien bereit, dafür auch Geld springen zu lassen. Das Angebot stieß bei Reynald Temarii auf offene Ohren. Für drei Millionen Neuseeländische Dollar (1,6 Millionen Euro) wolle er seinen Teil dazu beitragen.

Das Problem: Temarii ist Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, das am 2.Dezember in Zürich über die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 abstimmen wird. Das größere Problem: Das Gespräch wurde mit versteckter Kamera aufgezeichnet. Die beiden vermeintlichen US-Geschäftsleute waren tatsächlich Journalisten der „Sunday Times“. Ihre Enthüllungen über korrupte Fifa-Funktionäre sorgen nun beim Weltfußballverband für große Aufregung.

Schon wurde sogar gemunkelt, die Abstimmung über die Vergabe könnte verschoben werden. Denn Temarii ist wohl nicht der einzige Fußball-Funktionär, der auf ein unmoralisches Angebot eingegangen ist. Er ist allerdings der Einzige, der dies eingesteht. Leugnen ist angesichts der gestochen scharfen Bilder zwecklos. „Ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe“, räumte er am Montag ein. Am Mittwoch muss sich der Präsident der Ozeanien-Konföderation (OFC) vor der Fifa-Ethikkommission verantworten.

Vorerst alleine. Denn die britische Zeitung berichtet auch von einem zweiten Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, das seine Stimme verkaufen wollte. Amos Adamu aus Nigeria verlangte 500.000 Pfund (570.000 Euro) für seine Stimme für die USA. Allerdings, so erklärte er in dem aufgezeichneten Gespräch, könne er die Vereinigten Staaten nur bei der Abstimmung über 2018 unterstützen. Für 2022 habe er seine Stimme bereits einer anderen Partei versprochen.

Mittlerweile haben die USA ihre Bewerbung für 2018 zurückgezogen. Für die übernächste WM sind noch England, Russland, Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal im Rennen.

England mit geringen Chancen

Einige hochrangige Fifa-Funktionäre berichteten den Undercover-Journalisten, dass Bestechung einer Kandidatur nicht abträglich sei. Und sie beurteilten die Aussichten für England auf die WM 2018 als sehr gering. „Die Engländer schließen keine Deals ab. Das ist traurig, aber wahr“, zitiert die Zeitung einen Funktionär. Um die WM-Endrunde 2022 buhlen die USA, Australien, Japan, Südkorea und Katar.

Seit dem Wochenende ist in der Fifa-Zentrale in Nyon bei Genf Feuer am Dach. In einem Schreiben an die Mitglieder des Exekutivkomitees nennt Präsident Sepp Blatter die Affäre eine „sehr unschöne Situation“ und kündigte eine „eingehende Untersuchung“ an. Ansonst verweigert der Weltfußballverband jeden weiteren Kommentar. Vielmehr kritisiert Blatter den Zeitungsbericht der „Sunday Times“, der einen sehr negativen Einfluss auf die Fifa und die WM-Vergabe habe.

Dabei müsste die Fifa mittlerweile gelernt haben, mit derartigen Vorwürfen und Skandalen umzugehen. Seit Jahren gibt es immer wieder Korruptionsvorwürfe. So soll es etwa bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Blatter selbst wird oft vorgeworfen, er habe sich mit der Vergabe der WM 2010 an Südafrika einen ganzen Kontinent „gekauft“. Mit den Stimmen der afrikanischen Mitgliedsländer habe der Schweizer seine Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten erreicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Fifa-Präsident Josef Blatter
Fußball

Korruptionsskandal: Fifa-Ethikkommission tagt

Am Mittwoch nimmt sich die Fifa-Ethikkommission der Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an. Strafrechtlichen Konsequenzen dürfte es für die Exekutivmitglieder Adamu und Temarii nicht geben.
Kommentare

Endlich ein Videobeweis

Mit versteckter Kamera wurden zwei Fifa-Funktionäre der Korruption überführt. Am System wird sich wohl trotzdem nichts ändern.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.