Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Afghanistan

Das Schreckenskabinett der Taliban

Talibansprecher Zabihullah Mujahid stellte die neue Regierung in Kabul vor.
Talibansprecher Zabihullah Mujahid stellte die neue Regierung in Kabul vor.imago images/Xinhua
  • Drucken

Die von den Extremisten vorgestellte neue Regierung sorgt im Westen für Entsetzen. Mehrere Minister werden als Terroristen gesucht.

Es waren zynische Scherze, die angesichts der neuen Regierung in Kabul in sozialen Netzwerken die Runde machten: Die Afghanen bräuchten nur das neue Kabinett aus Taliban-Hardlinern in die USA zu schicken, schrieb ein Afghanistan-Beobachter auf Twitter. Dann würden sie mit dem Kopfgeld, das sie dort für die Minister ausbezahlt bekommen, viele Wiederaufbauprojekte finanzieren können.

Tatsächlich beinhaltet die Liste der Kabinettsmitglieder einige der radikalsten Vertreter der Extremistenorganisation. Von einer „inklusiven Regierung“ für Afghanistan – so wie sie die Taliban ursprünglich versprochen hatten – kann keine Rede sein. Aus den USA und Europa kam am Mittwoch daher erste Kritik. Ein Sprecher des US-Außenamtes zeigte sich besorgt: Auf der Regierungsliste stünden nur „Personen, die Mitglieder der Taliban oder ihrer engen Verbündeten sind und keine Frauen“. Und der deutsche Außenminister Heiko Maas sprach von „Signalen, die nicht optimistisch stimmen“. Auch die EU-Kommission äußerte Bedenken.

Die Zusammensetzung der neuen Führung Afghanistans galt als erster Test dafür, was von den Taliban künftig zu erwarten ist. Sie ist eines der Kriterien, von denen die USA und die Europäer ihren weiteren Umgang mit der Extremistenorganisation abhängig machen. Zwar hat ein Sprecher der Taliban klargestellt, dass es sich bei den nun vorgestellten Kabinettsmitgliedern nur um „geschäftsführende Minister“ handelt. Soll offenbar heißen: Es ist nur eine Übergangsregierung. Doch die derzeitige Besetzung der Ministerposten macht es für die USA und die europäischen Länder äußerst schwer, die neue Regierung anzuerkennen. Dafür müssten erst einige ihrer führenden Mitglieder quasi amnestiert werden.

Vertrauter des geistlichen Führers

Afghanistans künftiger Premierminister, Mullah Mohammed Hassan Akhund, steht ganz oben auf einer von den USA 2003 erstellten Sanktionsliste für Mitglieder von Terrororganisationen.