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Fahrbericht

Die S-Klasse für die Mittelschicht

Die neu C-Klasse tritt dynamisch auf
Die neu C-Klasse tritt dynamisch auf(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)
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Mercedes spendiert auch der C-Klasse das neue Betriebssystem samt riesigem Touchscreen. Überzeugt hat uns im Test der überarbeitete Vierzylinder-Dieselmotor.

Wien. Es gibt Autos, in die steigt man ein, man kennt sich aus und fühlt sich wohl. Die neue Mercedes C-Klasse gehört nicht dazu.

Die Stuttgarter haben viele Millionen Euro in die Hand genommen, um ein neues Betriebssystem zu programmieren und ihre Autos zu digitalisieren. Nach der S-Klasse erhält auch die Bestseller-Serie C-Klasse das überarbeitete Infotainmentsystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience).

Das Ergebnis ist ein Touchscreen in der Mittelkonsole, der mit seiner Größe (9,5 Zoll, optional 11,9 Zoll) viele Tablets übertrifft und über den man das gesamte Auto steuern und kontrollieren kann: von der Klimaanlage über die Beschallung durch das Surround-Sound-System bis zu den Farben der Ambientebeleuchtung.

Und das beherrscht man nach dem ersten Einsteigen nicht. Auch nicht nach dem zweiten und dritten. Man sucht, wählt Untermenüs, wischt und tatscht. So sehr kann ein Handygespräch gar nicht ablenken. Besser, man setzt sich ins (stehende) Auto, nimmt sich genügend Zeit und macht sich mit dem System vertraut. Wenn man es einmal durchschaut hat und die Logik der Mercedes-Programmierer nachvollziehen kann, geht die Steuerung recht flüssig. Oder noch besser: Man vertraut auf die sehr gute Sprachsteuerung, die man auch mit den Worten „Hey Mercedes“ aktivieren kann.

Über den großen Touchscreen in der Mitte werden Navi, Unterhaltung und Klimaanlage gesteuert
Über den großen Touchscreen in der Mitte werden Navi, Unterhaltung und Klimaanlage gesteuert(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Immer fix auf dem Display eingeblendet bleiben die Regler für die Klimaanlage, unterhalb gibt es echte, nicht nur digitale Schalter unter anderem für den Fahrmodus und einen Slider für die Lautstärkeregelung. Diese Slider verwendet Mercedes nun auch bei der Steuerung über das Lenkrad. Warum man nicht bei den präziser zu bedienenden Druckschaltern geblieben ist, bleibt ein Rätsel.

Mit der Digitalisierung kommt auch ein neu gestylter Innenraum, der gediegen und schön geblieben ist, jetzt aber noch etwas mehr Platz für Ellenbogen, Kopf und die Knie (auf den Rücksitzen bis zu 35 mm) bietet. Auch der Radstand ist um 2,5 Zentimeter gewachsen (2865 mm), in Kombination mit den serienmäßigen 17- bzw. 18-Zoll-Rädern (AMG-Paket) kann es auf den Kuppen mancher Tiefgaragen-Ausfahrten schon einmal zu Bodenkontakt kommen.

Auch außen hat Mercedes die C-Klasse (als Limousine ab 48.410 Euro) erneuert, die in der aktuellen Generation (seit 2014) schon 2,5 Millionen Mal verkauft wurde, in den vergangenen Jahren aber Marktanteile an die SUVs verloren hat. Das Erscheinungsbild wurde unter anderem mit einem kurzen vorderen Überhang geschärft, eine Motorhaube mit sogenannten Powerdomes verleiht der Limousine ein dynamisches Auftreten. Hinten gibt es zweigeteilte Heckleuchten.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Wirklich überzeugt hat uns der überarbeitete Dieselmotor (OM654M) der neuen C-Klasse mit einem integrierten Starter-Generator. Das Mild-Hybrid-System liefert im niedrigen Drehzahlbereich Unterstützung und übernimmt teils den Antrieb, lässt das Auto also, wie man sagt, „segeln“.

Der Vierzylindermotor arbeitet völlig entkoppelt. Man hört ihn kaum, man spürt ihn nicht. Er arbeitet kraftvoll (in unserem Testauto, C 220d, mit 200 PS) und insgesamt sehr sparsam: Vollgetankt wird eine Reichweite von 1228 Kilometern angezeigt, am Ende pendelte sich der Verbrauch in unserem Test auf 5,6 Liter pro 100 Kilometer ein.

Umfassende Abgasreinigung

Seine Stärken spielt der Dieselmotor in Kombination mit dem Neungang-Automatikgetriebe auf der Langstrecke aus. Entspanntes und sparsames Fahren – das zeichnet diesen Mercedes aus. Wie hilfreich dabei ein automatischer Abstandshalter ist, merkt man erst, wenn man ihn nicht hat. Die 415 Euro (netto) Aufpreis sollte man sich leisten, man kann dafür auf die hübsche, aber außer für die Sitzeinstellung nicht wirklich notwendige Ausstattungslinie AMG (4890 Euro netto) verzichten.

Sauber fährt man noch dazu: Denn die Dieselabgase durchlaufen nicht nur einen Speicherkatalysator und einen Partikelfilter, sie werden zusätzlich von gleich zwei SCR-Katalysatoren mittels AdBlue gereinigt. Ewig schade, wenn solche Motoren, wie es die EU plant, ab 2035 bei Neuwagen tatsächlich verboten werden.


[RROBB]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2021)