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Kritik

Ist Medea wirklich eine Migrantin im Sorgerechtsstreit?

Wenigstens kurz einmal hat das Bühnenbild Atmosphäre. Der Rollstuhl, in dem ein Sohn Medeas sitzt, bringt als aufdringliche Metapher wenig Sinn, aber zumindest Farbe.(c) © Astrid Knie
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Grillparzers Drama um die ausgestoßene Fremde, die ihre Kinder ermordet, soll im Theater in der Josefstadt Asylbewerbernot, toxische Männlichkeit und Ehehölle demonstrieren. Nur - wozu eigentlich?

Das soll Medea sein? Dieses graue Mäuschen im staubigen schwarzen Kittel auf der Bühne der Josefstadt?

Natürlich ist das so gewollt von Regisseur Elmar Goerden. Und Medea, gespielt von Sandra Cervik, ist ja im dritten Teil von Grillparzers Trilogie „Das Goldene Vlies“ tatsächlich nicht mehr die zaubermächtige strahlende Königstochter aus dem „barbarischen“ Kolchis. Sie ist im vorigen Teil dem schönen Griechen Jason verfallen, hat für ihn ihre Familie verraten, Jason zum goldenen Widderfell verholfen. Nun erhofft sich das Paar in Korinth bei König Kreon eine neue Heimat. Nur nicht auffallen, Medea, Assimilation ist angesagt, der Partner steht ja zu dir . . . Und so vergräbt sie ihr Eigenes (Vlies, Zauberutensilien) in der laut Grillparzer „seltsam mit Gold verzierten Kiste“ – die hier wie ein riesiges Amazon-Paket aussieht.

Medea und Jason: War da je was?

Doch eine andere als diese geheimnislose, unscheinbare Medea kommt im ganzen Stück nicht mehr daher.