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Soziologie

Blasen, die keine sind

Soziale Medien bergen die Gefahr von Filterblasen, in denen die eigenen Auffassungen verstärkt werden.
Soziale Medien bergen die Gefahr von Filterblasen, in denen die eigenen Auffassungen verstärkt werden.(c) imago images/Arnulf Hettrich (Arnulf Hettrich via www.imago-images.de)
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Echokammern und Filterblasen in sozialen Netzen sind nicht so dicht wie stets angenommen.

Ein Soziologenteam der Universität Wien um Jörg Flecker und Saskja Schindler fand heraus, dass in den Filterblasen und Freundeskreisen auf Facebook keineswegs nur eine Einheitsmeinung herrscht. Fazit: Überzeugungsarbeit am digitalen Stammtisch kann sich lohnen. Die Forscher vertieften für ihre Studie ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Grundlagenprojekt über das Verhandeln von Solidarität in Krisenzeiten – rund um die Ankunft der vielen vom Syrienkrieg geflüchteten Menschen 2015 – und verlagerten ihr Augenmerk in die sozialen Netzwerke.

„Soziale Medien bergen die Gefahr von Filterblasen und Echokammern, in denen die eigenen Auffassungen verstärkt werden. Das wollten wir uns näher ansehen“, erklärt Flecker. Dazu arbeiteten die Soziologen mit Citizen Scientists (Laienwissenschaftlern) zusammen, um Zugang zu unterschiedlichen Lebenswelten zu bekommen. Als Reizthemen für die von diesen in geschlossenen Gruppen angekurbelten Diskussionen dienten der 1,50-Euro-Stundenlohn für gemeinnützige Arbeit von Asylwerberinnen und Asylwerbern und die Mindestsicherung neu. Obwohl in den offenen Foren teils recht offenherzig diskutiert wurde, verliefen die Debatten in ein paar der Gruppen trotz zugesicherter Anonymität zögerlich. In den anderen Freundeskreisen wurde relativ kontrovers diskutiert und nicht nur einhellige Meinungen ausgetauscht.

Was ist gerecht?

Es zeigte sich einmal mehr, dass Gerechtigkeitsprinzipien eine wichtige Rolle bei Solidaritätsvorstellungen spielen. Selbst wenn sich die Diskutierenden etwa einig darüber waren, warum jemand Unterstützung bekommen sollte, gingen die Vorstellungen zur Höhe der Leistung weit auseinander. Auch in der Diskussion darüber, was genau als Arbeit angesehen wird, ging es heiß her. (cog)