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Filmfestival

Einzelkämpfer in der Krisenblase von Venedig

Nicht jeder kann sich in Krisenzeiten auf die faule Haut legen wie der Konzernerbe Neil (Tim Roth) in Michel Francos „Sundown“ – auch nicht auf dem Lido.
Nicht jeder kann sich in Krisenzeiten auf die faule Haut legen wie der Konzernerbe Neil (Tim Roth) in Michel Francos „Sundown“ – auch nicht auf dem Lido.[ Teorema ]
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Am Samstag werden in Venedig die Hauptpreise verliehen. Das Event war ein Erfolg. Doch die Pandemie hat Spuren hinterlassen.

Venedig kann nicht klagen. Das altgediente Filmfest, das mit der heutigen Hauptpreisverleihung seine 78. Ausgabe über die Lagunenbühne des Lido bringt, wollte heuer Aufbruchstimmung schüren, sich als Herold der Wiederkunft einer (semi-)regulären Event-Normalität positionieren. Der Plan scheint weitgehend aufgegangen zu sein. Schon 2020 konnte sich die Veranstaltung unter der Leitung des Intendanten Alberto Barbera als Fels in der Corona-Brandung hinstellen, überraschte das damals vergleichsweise schüttere Publikum mit einer stark abgespeckten, aber dennoch spannenden und erfolgreichen Edition – mit vorbildlichem Sicherheitskonzept und einem Gewinnerfilm („Nomadland“), der sich schnell zu einem der wirkmächtigsten Kunstkino-Titel des Jahres mauserte.

Diesmal trieb die im Laufe etlicher Lockdowns aufgestaute Kulturlust – verbunden mit erhöhtem Euphoriedruck – noch üppigere Blüten der Begeisterung bei der internationalen, größtenteils durchgeimpften Besucherschaft. Die Säle waren über weite Strecken gut gefüllt – mit Journalisten, Industrievertretern und örtlicher Laufkundschaft. Und das nicht nur bei prominenten Wettbewerbsbeiträgen, sondern bis in den hintersten Winkel der unscheinbarsten Nebensektion. Zwar blieben die Kapazitätsgrenzen der Lido-Kinos (im Unterschied zum Konkurrenten Cannes) per Schachbrettmuster gedeckelt. Dennoch: Das Ausmaß des Andrangs erstaunte. Und die Filme? Nicht nur die Branchenblätter jubeln: Das beste Festival seit Ewigkeiten! Ein Wettbewerb zum Niederknien! Auch in Gesprächen war oft mehr Enthusiasmus spürbar als gewohnt. Ob die rosarote Brille des erhofften kulturellen Neubeginns hier wohl mitgespielt hat – passend zu steigenden Impfraten und wachsendem Selbstbewusstsein im Angesicht weiterer Virenwellen?