Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ferry Radax

Ein pfiffiger Pionier der Film-Avantgarde

REGISSEUR FERRY RADAX
REGISSEUR FERRY RADAXAPA
  • Drucken

Ferry Radax, Schöpfer des Dada-Films „Sonne halt!“ und markanter Künstlerporträts, ist gestorben.

„Seit sein Kopf verkohlt war, hatte er den sechsten Sinn“: Mit solch gewitzt absurden Sätzen spitzten Ferry Radax und Konrad Bayer 1959 die Ohren aller heimischen Avantgarde-Enthusiasten – und lenkten die Blicke zeitgenössischer Bilderstürmer auf sich. Das Kleinbudget-Filmgedicht „Sonne halt!“ – collagiert aus schwarz-weißen 35-mm-Filmaufnahmen, Klangeffekten und losen Textfragmenten Bayers – strudelte wie ein pfiffig blinkendes UFO durch die dürre Nachkriegsfilmlandschaft Österreichs. Seine surreale Anti-Erzählung über einen Dandy, der in Monterosso al Mare Himmelskörper vom Firmament ballert, um Frauen zu beeindrucken, war lustig, lustvoll und freigeistig wie nur weniges, was damals über die Leinwände flimmerte – und sicherte Radax einen Platz im Pantheon der Kunstkinogeschichte.

 

Ein Meister des Assoziativen

Geboren wurde Ferry Radax 1932 in Wien. Während des Studiums an einer Textilfachschule begann er sich für das Ausdruckspotenzial von Film zu interessieren. Er lernte als Assistent des Dokumentaristen Wilhelm Eduard Nassau den späteren Filmmuseum-Mitbegründer Peter Kubelka kennen, mit dem er erste Gehversuche als Experimentalfilmer wagte. Nach dem Erfolg von „Sonne halt!“ drehte Radax die musikgetriebene Jugenddoku „Am Rand“. Auch hier setzte er auf die Poesie assoziativer Montage. Später entstanden TV-Arbeiten, wie eine Reihe markanter Künstlerporträts über Artmann, Hundertwasser und Bernhard. Neben Film zählten auch Malerei, Fotografie, Jazz und Tanz zu Radax' Leidenschaften. Am Donnerstag ist das funkelnde Irrlicht im Alter von 89 Jahren verloschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2021)