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Ethiklehrer

Wertehaltungen reflektieren

Neben Fragen wie globale Gerechtigkeit oder Sterbehilfe liefert auch die Lebenswelt der Schüler Input für den Ethikunterricht.
Neben Fragen wie globale Gerechtigkeit oder Sterbehilfe liefert auch die Lebenswelt der Schüler Input für den Ethikunterricht.[ C. Fabry]
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Mit dem Schuljahr 2021/2022 startet erstmals der Pflichtgegenstand Ethik. Das betrifft Schüler der AHS-Oberstufe sowie der Sekundarstufe II, aber auch die Lehrerausbildung.

Der Ethikunterricht solle Schüler zu selbstständiger Reflexion im Hinblick auf Wege gelingender Lebensgestaltung befähigen und ihnen Orientierungshilfen geben, heißt es in der gemeinsamen Erklärung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und von acht Vertretern der Religionsgemeinschaften. Die Aufgabe, Lehrpersonal entsprechend zu schulen, wurde mit der Änderung des Schul-Organisationsgesetzes für die ersten Jahre an Pädagogische Hochschulen, Universitäten und die KPH Wien/Krems delegiert.

 

Ethik nun eigenes Lehramt

Bisher konnte man Ethik unterrichten, wenn man zuvor eine Zusatzausbildung im Umfang von 60 ECTS-Punkten absolviert hat und bereits an einer AHS oder BHS als Lehrkraft tätig war. Ab Herbst 2021 beginnt die eigenständige Lehramtsausbildung für den Ethikunterricht in der Sekundarstufe. Dabei handelt es sich nun um ein reguläres, wie im Lehramt üblich mit einem anderen Fach zu kombinierendes Bachelor- und Masterstudium. „Wir starten gemeinsam mit den Partnerinstitutionen des Entwicklungsverbunds Süd-Ost (EVSO) jetzt im Wintersemester 2021/22 in der Lehramtsausbildung Sekundarstufe Allgemeinbildung mit dem Fach Ethik. Zwei Unterrichtsfächer oder ein Unterrichtsfach und eine Spezialisierung anstelle eines zweiten Unterrichtsfachs sind zu wählen. Eines dieser Fächer kann Ethik sein“, erklärt Klaudia Singer, Leiterin des Instituts für Sekundarstufe Allgemeinbildung an der PH Steiermark.

Beim Entwicklungsverbund Süd-Ost haben sich Hochschulen aus dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten zusammengeschlossen. Die Lehramtstudien im EVSO sind sogenannte Kooperationsstudium, bei denen sich die Studierenden nur an einer der Hochschulen inskribieren müssen und automatisch an den anderen gemeldet sind.

An der Universität Salzburg startet mit dem beginnenden Wintersemester ebenfalls ein reguläres Lehramtsstudium Ethik. Angesiedelt ist das Studium am Fachbereich Philosophie, „aber es arbeiten Dozierende aus Religionswissenschaft/Theologie, Pädagogik und Psychologie mit“, sagt der Theologe Anton Bucher, der seit Jahren an der Universität Salzburg in das Projekt „Ethikunterricht“ eingebunden ist. Ihre Aufgabe ist es, auch die didaktischen Besonderheiten des Ethikunterrichts im Schultag umzusetzen: „Es gibt einen eigenständigen Lehrplan, der aber auch Gemeinsamkeiten mit demjenigen in Religion hat. Ethikunterricht bringt Religionskunde, will nicht in eine bestimmte Religion einführen, sondern zielt neben entsprechenden Wissensinhalten ein eigenständiges ethisches Urteil an.“

In den drei Grundlagenmodulen werden philosophische, psychologische, methodische und didaktische Basiskompetenzen erworben, in vier darauf aufbauenden Modulen grundlegende Kompetenzen in den Hauptbereichen der philosophischen Ethik und ihrer Didaktik. Zwei weitere Module beschäftigen sich mit der Auseinandersetzung in ethischen Fragestellungen.

 

Themen aus der Lebenswelt

Absolventen des neuen Lehramtsstudiums lernen, von der Lebenswelt der Schüler auszugehen und ihnen auf dieser Basis praktisch-philosophische Denkmodelle und Argumentationen zu vermitteln. Außerdem können sich Bachelors im Masterstudium Angewandte Ethik an der Universität Graz weiterbilden. Es setzt sich mit dem moralischen Handeln auseinander, im Spiegel der Herausforderungen der Gegenwart. Dazu zählen Themen wie Diversität, Gerechtigkeit, aber auch Stammzellenforschung und Sterbehilfe. „Letztlich geht es um nicht weniger als die Frage, wie menschliches Leben glücken kann.“ Auf diese Sinnfrage gibt es freilich keine fertigen Antworten.

 

Austausch über Grundsätze

In einer offenen und pluralen, kulturell vielfältigen und zunehmend multireligiösen Gesellschaft braucht es den Austausch darüber, welche moralischen Grundsätze für das Zusammenleben gelten sollen“, erläutert Hans-Walter Ruckenbauer, Studienkoordinator des interfakultären Masterstudiums. Der Lehrplan wurde wegen der Einführung von Ethik als Unterrichtsfach neu ausgerichtet. Greifen sollen die Änderungen aber erst mit dem Studienjahr 2023/24. Auch an der KPH Wien/Krems wird gemeinsam mit der Universität Wien sowie den PH NÖ und Wien ein Hochschullehrgang Ethik im Ausmaß von 60 ECTS-Punkten als berufsbegleitende Fortbildung angeboten. Diese Angebote, die es auch an allen PH in Österreich gibt, bleiben bestehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2021)