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Unterwegs

Griechisches Joghurt mit Honig

Imago
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Auf dem Weg zur Arbeit schnell noch etwas zum Frühstück mitnehmen, da fällt der Blick in das Kühlregal: Honigjoghurt.

Kunde (legt den Einkauf auf das Band): Das wäre alles.

Kassiererin (zieht einen Becher „Griechisches Joghurt mit Honig“ über den Scanner): Hm. Das habe ich auch einmal gegessen.

Kunde (hoffnungsfroh): Schmeckt es gut?

Kassiererin (skeptisch): Doch, doch. Aber sehr viel Zucker. Also ich für meinen Teil . . .

Kunde (abwehrend): Na ja.

Kassiererin (holt aus): Ich in meinem Alter, also da muss man schon schauen. Man sollte ja Zucker überhaupt vermeiden. Das ist eine Droge. Ganz schlecht. Aber Sie . . .

Kunde (verteidigt sich): Ich werde es nicht auf einmal aufessen.

Kassiererin (setzt fort): Wenn man so etwas Süßes isst, das bereut man oft ganzen Tag. Da muss man danach viel Wasser trinken. Sonst pickt das richtig in einem drinnen.

Kunde (genervt): Ich glaube, ich bringe es wieder zurück.

Kassiererin (gönnerhaft): Aber nehmen Sie es doch. Sie können es sich ja noch leisten.

Kunde (trotzig): Na, Sie machen mir richtig Appetit. Ich nehme es trotzdem. (Reicht einen Geldschein.)

Kassiererin (mustert mürrisch den Schein, der Queen Elizabeth II zeigt): Wussten Sie, dass die Mutter von Queen Elizabeth I. geköpft wurde?

Kunde (murmelt): Wenigstens ist sie nicht an einem gesüßten Joghurt gestorben.

Kassiererin (immer noch mit dem Geldschein in der Hand): Kleiner haben Sie es nicht?

Kunde (entschuldigend): Leider.

Kassiererin (gibt eine Hand voll Münzen zurück): Sie tun mir auch leid.

Im Büro angekommen, stellt der Kunde das Joghurt in den Kühlschrank. Es bleibt unberührt. Drei Monate später wird es dann ungeöffnet weggeworfen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2021)