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Mein Montag

Wenn Computersoftware nach Vanille schmeckt

(c) imago images/Sergejs Rahunoks (Sergejs Rahunoks via www.imago-i)
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Über ein Kuriosum aus dem Managementsprech und was das alles mit Sex zu tun hat.

Sie kennen das, da sitzt man in einer Präsentation einer komplexen neuen Software. Und irgendwann taucht bei einem Teilnehmer die Frage auf, ob eine bestimmte Komponente bei dem umfangreichen Paket eh auch enthalten sein wird. Und dann kommt als Antwort: Nein, die bestellte Version ist nur vanilla.

Ah ja, genau. Sehr geschmackvoll, immerhin nicht mit Himbeer- oder Erdbeergeschmack. Aber dann schlägt man doch schnell nach in einem Lexikon des Managementsprech, was denn damit nun wieder gemeint sein soll. Nun, plain vanilla kommt aus dem US-amerikanischen Sprachraum und drückt aus, dass etwas gewöhnlich, normal, ohne Zusätze oder Optionen ist. Der Ausdruck rührt aus der Zeit, in der in den USA die am häufigsten verlangte Eissorte als vanilla bezeichnet wurde – wenig überraschend jene mit Vanillegeschmack. Der wiederum kam nicht aus der Vanilleschote, die ja nach wie vor noch ein wenig Luxus verheißt, sondern vom künstlich hergestellten Vanillin. Das war günstig, dementsprechend weit verbreitet – und Vanilleeis galt demnach bald als nichts Besonderes mehr. Eher im Gegenteil, es stand synonym für Standard.

Irgendwann verselbstständigte sich der Ausdruck und wurde dafür verwendet, um allen möglichen Dingen den Anstrich des Gewöhnlichen, ja Langweiligen zu geben. Unter anderem werden in der BDSM-Szene sämtliche Spielarten der Sexualität, die ohne sadomasochistische oder fetischorientierte Praktiken auskommen, als Vanillasex bezeichnet. Und vor allem in der Informationstechnik wurde vanilla zum geflügelten Wort, etwa für Computerspiele, die nicht von Entwicklern modifiziert wurden. Oder eben auch für Software, die nur in einer Basisversion geliefert wird. Bitter, oder?

Und jetzt würde ich gern Ihre Gedanken lesen können, wenn Sie das nächste Mal Vanilleeis bestellen.