Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Sicherheit

Rekord bei Cyber-Polizzen erwartet

(c) imago images/Pacific Press Agency (Andrea Ronchini via www.imago-images.de)
  • Drucken

Munich Re erwartet, mit Versicherungen gegen Hackerangriffe heuer so viel einzunehmen wie noch nie. Viele Anbieter sind ob der steigenden Zahl der Vorfälle nervös.

Wien. Der Rückversicherer Munich Re erwartet, dass er dieses Jahr mit Polizzen gegen Cyber-Risken erstmals rund eine Mrd. Euro an Prämien einnehmen wird. Hinter der anziehenden Nachfrage dürfte auch die Zunahme von Hackerangriffen im Homeoffice während der Pandemie stehen. „Kein anderes Segment wächst derzeit so stark“, sagte Vorstand Torsten Jeworrek zu Bloomberg. „Nachdem das Wachstum bei Cyber-Versicherungen lange Zeit von den USA angetrieben wurde, holen Europa und Asien nun langsam auf.“

Im Vorjahr hatte die Munich Re 855 Mio. Euro im Cyber-Segment erzielt. Von der nun erwarteten Milliarde dürften Jeworrek zufolge drei Viertel auf die USA entfallen und 40 Prozent auf das Erstversicherungsgeschäft, in dem der Konzern auch aktiv ist. „Die Cyber-Schäden haben in der Pandemie zugenommen, auch bei uns“, erklärte Jeworrek. Dafür gebe es zwei wichtige Gründe: die Zunahme der Arbeit von zu Hause und eine Professionalisierung der Angreifer.

 

„Geschenk für Kriminelle“

Nach einer Studie des Berliner Digitalverbands Bitkom entstehen allein der deutschen Wirtschaft durch Diebstahl, Spionage, Sabotage und andere Angriffe pro Jahr Schäden von 223 Mrd. Euro. Haupttreiber des zuletzt enormen Anstiegs seien Erpressungsvorfälle verbunden mit dem Ausfall von Systemen als Folge sogenannter Ransomware-Angriffe.

Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sind etwa 53 Mrd. Euro an jährlichen Schäden auf Angriffe im Homeoffice zurückzuführen. Die Arbeit daheim sei „für Cyberkriminelle ein Geschenk“, so IW-Ökonomin Barbara Engels. „Jeder Mitarbeitende, der von zu Hause arbeitet, nutzt Verbindungen, die oft leichter angegriffen werden können als solche im Firmennetzwerk.“ Jeworrek zufolge hat sich die branchenweite Schaden-Kosten-Quote in der Cyber-Versicherung heuer auf etwa 100 Prozent verschlechtert. „Das ist ein bedenklich schlechter Wert, denn es besteht kaum die Möglichkeit, Geld für größere Schadensfälle anzusammeln.“ Nur bei Werten von unter 100 nehmen die Versicherer mehr ein, als sie ausgeben. Wegen der steigenden Quoten seien manche Anbieter „sehr nervös“. Sie hätten die Preise teils um bis zu 40 Prozent angehoben und Kapazitäten zurückgefahren. „Es ist gut, dass die Versicherer kein törichtes Wachstum tolerieren.“

Er warnte zugleich, dass sich längst nicht jeder Schaden durch privatwirtschaftliche Cyber-Versicherungen abdecken lasse, etwa Cyberkriege zwischen Staaten, weil die Schäden extrem hoch sein könnten. Daher versuche man in der Formulierung der Verträge sehr klar zu sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2021)