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Bühne

Eine Boxertragödie: Othello hat gegen Jago keine Chance

Othello (links: Nicholas Monu) wird von Jago Tim Breyvogel manipuliert.(c) Alexi Pelekanos
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Rikki Henry inszenierte eine kühn gestraffte Fassung von William Shakespeares Tragödie monströser Eifersucht und politischer Intrigen. Tim Breyvogel spielt den dauernd erregten Intriganten mitreißend. Starke Momente haben auch die Frauen im Ensemble.

William Shakespeare hätte seine Tragödie „Othello“ (1603/4) wohl besser „Jago“ genannt. Der „Mohr von Venedig“, der anfangs siegreich von einer Schlacht gegen die Osmanen heimkehrt und am Ende aus Eifersucht seine Frau Desdemona erwürgt, hat gegen den machiavellistischen Intriganten und dessen Einflüsterungen keine Chance. Wenn Jago, der vom heldenhaften Söldnergeneral übergangen wurde, an der Rampe das Publikum zum Mitwisser tödlicher Pläne macht, verblassen die übrigen Figuren.Das war auch am Samstag bei der Premiere von „Othello“ im Landestheater Niederösterreich in der Inszenierung von Nestroy-Preisträger Rikki Henry zu spüren, und zwar eklatant: Tim Breyvogel brillierte als dauernd erregter Jago. Nicholas Monu wirkte als sein Widerpart ungelenk, fast hilflos. Möglicherweise war das sogar beabsichtigt, aber er hatte schwer mit der Sprache zu kämpfen, wechselte gelegentlich ins Englische. War dies ebenfalls ein Regieeinfall? Besser auf Jagos Dominanz schienen hier die Frauen eingestellt zu sein – Marthe Lola Deutschmann als sportliche Desdemona, Laura Laufenberg in kurzen Auftritten als entzückend liederliche Bianca, vor allem aber Bettina Kerl als energiegeladene Ehefrau Jagos. Vielleicht hätte sie nicht Emilia, sondern Othello spielen sollen, dann wäre der Schaukampf spannender gewesen.

Schmierige Typen aus dem Milieu

Als „Fight“ hat Henry seine auf circa 100 Minuten Shakespeare eingekürzte Regiearbeit tatsächlich angelegt. Der Ort der Handlung dieses hochpolitischen häuslichen Dramas wurde in eine Sportarena versetzt: „Zypern Boxclub“ liest man auf semitransparenter Leinwand, auf der auch die Stars des Klubs eingeblendet werden. Dahinter, im Zentrum der Bühne (Anna Sörensen, Leonie Kohut), steht ein Boxring. Desdemona trainiert dort, wird intensiv von Cassio (Tilman Rose) betreut. Dieses Nahverhältnis nutzt Jago bald, um in Othello den Zweifel an der Treue seiner teuren Gattin zu nähren.