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Quarantäne

Verordnung ist da: Schüler müssen nur noch fünf Tage in Quarantäne

Mundschutzmaske haengt an Schuelertisch, Praesenzunterricht, Corona-Krise, Stuttgart, Baden-Wuerttemberg, Deutschland Coron
(c) imago images/Michael Weber
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Gesundheits- und Bildungsministerium einigen sich auf eine kürzere Dauer der Isolation. Bei älteren Schülern sollen nur die Sitznachbarn des Infizierten in Quarantäne. Die SPÖ kritisiert: „Das Schulchaos ist perfekt“.

Die umfangreichen PCR-Tests während der dreiwöchigen Sicherheitsphase, die seit Schulbeginn gilt, haben – insbesondere in Wien – in den Schulen zu einer Vielzahl von Quarantänefällen geführt. In der Bundeshauptstadt gibt es mit Stand Montag 285 Teilschließungen in den Schulen, wobei es sich dabei „in der Regel“ um ganze Klassenverbände handle, wie es aus dem Büro von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) Anfang der Woche hieß.

In Niederösterreich (2) und dem Burgenland (0) waren es Anfang der Woche vergleichsweie wenige betroffene Klassen. Das hängt auch mit dem teils strengeren Vorgehen der MA 15 in Wien zusammen: Diese stufte, anders als vom Bund vorgegeben, nicht automatisch alle Kinder unter zehn Jahren lediglich als K2-Personen ein. Somit sonderte sie auch in den Volksschulen nach einem positiven Fall teils ganze Klassenverbände ab.

Die Zahl der Quarantänefälle eindämmen soll die neue Verordnung des Gesundheitsministeriums, die am Dienstag kurz vor 21 Uhr veröffentlicht wurde.

So sind die neuen Regeln

Konkret ändert sich in Sachen Quarantänebestimmungen an den Volksschulen wenig. Bei Unter-Zehnjährigen gibt es schon jetzt die Möglichkeit, wegen des geringeren Risikos der Übertragung durch diese Altersgruppe im Falle von nur einem Infektionsfall alle Kinder als Kontaktpersonen mit niedrigem Infektionsrisiko (K2) einzustufen. Die Entscheidung darüber trifft die Gesundheitsbehörde. Diese Kinder können also weiterhin in die Schule gehen, sollen allerdings freiwillig ihre sozialen Kontakte außerhalb einschränken. Sind zwei oder mehr Schüler innerhalb von 14 Tagen bzw. ein Erwachsener in der Klasse infiziert, hat die Gesundheitsbehörde über die Absonderung von Teilen bzw. der gesamten Klasse zu entscheiden. Diese Regelung bleibt bestehen.

Nach der Volksschule gilt nun für die Quarantäne die Vorgabe, dass grundsätzlich nur die direkten Sitznachbarn links und rechts sowie sonstige "enge Kontakte" des infizierten Schülers in Quarantäne müssen. Das können etwa Schüler sein, die sich im Musikunterricht oder bei einer Gruppenarbeit für längere Zeit im Umkreis des infizierten Schülers aufgehalten haben. Alle anderen werden nur dann nachhause geschickt, wenn es im Einzelfall besondere örtliche Rahmenbedingungen gibt oder auch mehrere Infektionen in anderen Klassen verzeichnet wurden. Auch hier entscheidet letztlich die Gesundheitsbehörde. Geimpfte Schülerinnen und Schüler werden außerdem grundsätzlich nur als K2-Personen eingestuft.

Sowohl für die Volksschulen als auch für die höheren Schulstufen gilt: Wer trotzdem in Quarantäne muss, kann sich nach fünf Tagen per PCR-Test freitesten.

Angestoßen worden war die Verkürzung der Quarantänebestimmungen von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), der in einem schriftlichen Statement festhielt, "dass es nun eine verbesserte Regelung des Gesundheitsministeriums gibt. Das bedeutet einen vermehrten Präsenzunterricht und eine deutliche Erleichterung für die Familien." Schon am Nachmittag hatte er vor einem "perforierten Schulalltag" gewarnt, bei dem ständig Schüler in Quarantäne geschickt werden und nach ihrer Rückkehr eventuell bald wieder nachhause müssen. Die Regelungen sollen morgen erlassen werden und gelten unmittelbar.

Kritik von Ärzten und Wissenschaftlern und von der SPÖ

Dass wegen steigender Quarantänzahlen gelockert wird, stößt nicht gerade auf Begeisterung in der Medizin. Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres meint in der "Presse" zur Konzentration auf Sitznachbarn: "Das verstehe ich überhaupt nicht. In geschlossenen Räumen können sich nicht nur Sitznachbarn anstecken, sondern alle." Ähnlich der Mikrobiologe Michael Wagner in den "Salzburger Nachrichten": "So viel kann ich gar nicht lüften, dass ich nur den unmittelbaren Sitznachbarn anstecke." Wenn das Ziel sei, weniger Schüler in Quarantäne zu haben, dann sollte das auch so kommuniziert werden. Dann müsse man aber auch sagen, dass sich vermutlich wesentlich mehr Kinder infizieren würden, betont der Wissenschaftler.

Die Reaktion der Oppositionsparteien auf die neue Regelung fiel erwartungsgemäß kritisch aus. „Damit ist das Schulchaos perfekt“, sagte SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler. Die Bundesregierung habe den zweiten Sommer in Folge verschlafen. Mit den neuen Quarantäneregeln „kennt sich nun wirklich niemand mehr aus.“ Ein zusätzlicher Kritikpunkt Vorderwinklers: Der Anspruch auf Sonderbetreuungszeit gilt erst ab 1. Oktober.

„Man kann doch nicht Kinder in Quarantäne schicken, ohne parallel die Betreuungsmöglichkeit für Eltern längst geschaffen zu haben“, kritisiert die rote Bildungssprecherin. Sie verlangt ein sofortiges Inkrafttreten des Anspruchs.

(APA/juwe)