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Quergeschrieben

„Was er sucht, ist Freiheit, die so teuer ist“ (Purgatorio 1, 69)

Ein paar unzeitgemäße Bemerkungen über den Wert des Friedens und der Freiheit anlässlich des 700. Todestages des Dichters Dante Alighieri.

In den frühen Morgenstunden des 14. September 1321, dem Fest der Kreuzerhöhung, brach Dante in Ravenna, der Endstation seines zwei Jahrzehnte währenden Exils, zu seiner letzten Reise auf. Vielleicht versetzte ihn der Tod in einen Seinszustand, der es ihm erlaubte, die jenseitige Welt mit jener zu vergleichen, die er zu Lebzeiten in der Göttlichen Komödie als moralisch geordnetes Abbild der irdischen imaginiert hatte. Wenn ja, dann dürfte der Dichter wohl weder in der ewigen Verdammnis noch in der ewigen Seligkeit aufgewacht sein, sondern heiter gestimmt an der Schwelle zu jenem Zwischenreich, „in dem die menschliche Seele sich läutert und würdig wird, zum Himmel aufzusteigen“ (Purgatorio 1, 6).

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Vor Dante hatte es kein Dichter unternommen, das Purgatorium literarisch zu vermessen; und keiner hätte es gewagt, am Fuß des Läuterungsberges einen Selbstmörder wachen zu lassen. Doch in Dantes Augen hatte Cato der Jüngere (95–46 v. Chr.) eine gottgefällige Tat vollbracht, als er als freier Mensch aus dem Leben schied, um der Tyrannei Caesars zu entgehen. Er erbrachte dieses „unbeschreibliche Opfer“ für das Gemeinwohl, um Rom einen Bürgerkrieg zu ersparen. Nicht trotz, sondern eben wegen dieser extremen Tat erwählte ihn Dante zum Vorbild. Wie hoch der gläubige Katholik den Wert der Freiheit und des Friedens einschätzte, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass er sich über das negative Urteil hinwegsetzte, das Kirchenvater Augustinus im „Gottesstaat“ über Catos Selbstmord gefällt hatte. Kein Zweifel, dass er es kannte, schließlich hatte er bei den Augustinern Philosophie und Theologie studiert.