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Champions League

Vier Elfmeter, aber nur zwei Tore

Champions League - Group G - Sevilla v FC Salzburg
REUTERS
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Vier Strafstöße in einer Halbzeit sind zwar historisch, bloß Salzburg verschoss zwei und schaffte es selbst in Überzahl nicht, Sevilla zu besiegen. Das 1:1 zum Auftakt begeisterte, ließ jedoch sehr viele Fragen zur wahren Spielstärke offen.

Salzburg schaffte zum Auftakt der dritten Champions-League-Saison in Serie ein 1:1-Unentschieden in Sevilla. Österreichs Serienmeister hatte Glück, weil der spanische Topklub en gros die besten Chancen vergab, Referee Kulbakow aus Bulgarien gleich vier Elfmeter in der ersten Halbzeit pfiff und die „Bullen“ ab der 50. Minute mit einem Mann mehr auf dem Feld standen. Salzburg vergab zwei Strafstöße, Sučić traf einmal und Rakitić sorgte für den Ausgleich.

Ein verlorener Sieg, ein gewonnener Punkt? Die Antwort werden die weiteren Spiele liefern. Am 29. September ist Frankreichs Meister Lille in Wals-Siezenheim zu Gast. Das zweite Spiel der Gruppe G zwischen Lille und Wolfsburg endete 0:0.

Wenn der Gefoulte schießt

In Österreich sollten sich mit diesem Spiel alle Diskussionen über Sinn der VAR-Technik erübrigt haben. Statt eines Freistoßes aus guter Position erhielt Salzburg nach Überprüfung der Situation einen Elfmeter zugesprochen, weil Adeyemi auf der Strafraumlinie von Diego Costa (11.) gefoult worden war. Dass der Gefoulte selbst antrat und vergab (13.), war Pech.

SOCCER - UEFA CL, Sevilla vs RBS
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Wenige Minuten wiederholte sich dieses Schauspiel. Navas stieß Adeyemi plump im Strafraum zu Boden, wieder schrillte der Elfer-Pfiff. Adeyemi wollte erneut antreten, doch Kroatiens U21-Spieler Sučić nahm dem Deutschen den Ball ab. Es war richtig: 1:0 (21.).

Tempo, Ballführung, Spielverlagerung und Genauigkeit zeigten, warum Sevilla von Ex-Sevilla-Spieler Wöber als „Favorit in Gruppe G“ bezeichnet worden war. Die Andalusier, Vierter der vergangenen Primera Division und seit 2014 viermaliger Gewinner der Europa League, liefen unermüdlich an. Ob Rakitić, Koundé oder En-Nesyri, es sind arrivierte Profis.

Doch da imponierte die jugendliche Unbekümmertheit, mit der Salzburg (Altersschnitt: 22,7 Jahre) dagegenhielt. Es gab weder Zögern noch Hadern, es begeisterte. Obgleich sich der Eindruck verstärkte: Sevilla war überlegen, hatte Raum, Überzahl – und Chancen.

Und dann, der vierte Elfer

Trotzdem, es ging im Strafraum weiter. Adeyemi lief einen Konter, Sevilla-Keeper Bono rammte ihn um. Der dritte Elfer brachte kein Glück: Adeyemi wollte, jedoch Sučić – schoss an die Stange (36.).

Das Spiel wäre, mit echter Konsequenz, längst entschieden gewesen, die Sensation fixiert und die Siegprämie (2,7 Mio. €) verbucht. So aber antwortete Sevilla; natürlich per Elfmeter. Der zu langsame, erschreckend schwache Wöber foulte En-Nesyri (41.) zu ungestüm. Rakitić ließ sich vom Elfer-Festival – erstmals gab es vier Strafstöße in 45 CL-Minuten – nicht irritieren: 1:1 (42.).#

Nach Wiederbeginn drückte Salzburg unerwartet auf das Tempo. Adeyemi spielte quer zu Šeško, und nur eine Glanztat von Bono (47.) verhinderte die Führung.

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APA/AFP/CRISTINA QUICLER

In Überzahl unterlegen

Als sich En-Nesyri, motiviert durch die vielen Elfer, eine grotesk schlechte Schwalbe leistete und Gelb-Rot (50.) sah, keimte Hoffnung auf Seiten der Bullen auf. Doch die Chancenverwertung blieb trotz der Dynamik schlecht, das zeigte Solet vor. Er donnerte den Ball aus fünf Metern heillos über das leere Tor (57.). Dass er im Abseits stand, linderte das Leid.

Salzburg schaffte es in 40 Minuten mit einem Mann mehr auf dem Feld nicht, ein Tor zu schießen. Im Gegenteil: Sevilla hatte erneut die viel besseren Chancen. Es blieb allerdings beim 1:1.

Reaktionen

Matthias Jaissle (Salzburg-Trainer): “Wenn uns das vor dem Spiel
jemand gesagt hätte, hätten wir das absolut unterschrieben. Vor
allem die Art und Weise, als junge Mannschaft, macht mich extrem
stolz. Wenn man den Spielverlauf hernimmt, ist es einen Tick
ärgerlich, vielleicht wäre ein Tick mehr drinnen gewesen. Aber der
Schein trügt ein bisschen, wir haben das wirklich gut gemacht. Es
war ein sehr, sehr emotionaler Abend für mich und für die Spieler.“

Karim Adeyemi (holte drei Elfmeter heraus, verschoss einen): “Es sind gemischte Gefühle. Wir haben in der ersten Hälfte
nicht so viel Ballbesitz gehabt, aber genug Chancen. Drei Elfer, was
soll ich sagen. Nachher hatten wir mehr Ballbesitz, aber Sevilla ist
zu sechst, zu siebt hintengestanden und hat verteidigt. Und das
können sie gut, sie haben große und starke Spieler. Aber am Schluss
war es ein gutes Spiel und ein verdienter Punkt.“

Luka Sucic: “Ich bin sehr stolz über ersten
Champions-League-Treffer. Natürlich ist es schade, dass ich dann
verschossen habe. Aber ich darf nicht den Kopf hängen lassen, muss
weiter nach oben schauen, und mich auf die nächsten Spiele
konzentrieren. Wir werden sicherlich in den nächsten
Trainingseinheiten Elfmeterschießen üben. Es war ein verrücktes
Spiel. Wir haben alles gegeben, um Sevilla das Leben schwer zu
machen, das ist uns im Großen und Ganzen gelungen.“