Zu Schulbeginn eine Ode an den intelligenten Kunstunterricht. In Instagram-Zeiten spielentscheidend.
Es ist der pure Zufall, der einen glücklich machen kann, wie so oft im Leben. Mein Zufall hatte einen Namen, Heinrich Nagy, in der Oberstufe mein Zeichenlehrer, wie das altmodisch heißt, also der Professor, der mich „bildnerisch erzogen“ hat, um professionell zu bleiben.
Ohne ihn würde ich hier vielleicht trotzdem schreiben – Journalistin wollte ich früh schon werden –, aber wohl über anderes, Coronamaßnahmen, baumpflanzende Politiker, Konjunkturprogramme oder mir sonst erbärmlich Langweiliges.
Dass ich mich (fast) ausschließlich für Kunst interessiere, dass ich schließlich Kunstgeschichte studiert habe, verdanke ich zu einem Großteil diesem Professor. Ja, das wird am Beginn dieses exkursionstechnisch wohl wieder restriktiven Schuljahrs eine Ode an den intelligenten Kunstunterricht. Nichts hat er mit dem lieblichen Aquarellieren zu Strawinskys „Feuervogel“ zu tun (obwohl das in diesem Zusammenhang ohnehin schon recht avantgardistisch sein kann). Alles mit Aufklärung und Provokation. Ohne das nötige Wissen über diesen enormen Informationsspeicher unserer Zivilisation zappeln gerade die Instagram-Generationen völlig hilflos in einer sich ewig wiederholenden Bilderschleife. Noch dazu ausgeliefert jeglicher emotionalen Manipulation durch Bilder, die man zu durchschauen lernen kann.