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Xiaomi und Facebook

Die Zukunft des Smartphones soll auf der Nase sitzen

APA/AFP/Ray-Ban and Facebook/HAN
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Brillen sollen smarter werden. Für Xiaomi sind sie die Zukunft der Smartphones. Facebook geht es kleiner an und verbaut in Sonnenbrillen vorerst nur Kameras.

Zuerst Facebook und jetzt auch der chinesische Hersteller Xiaomi. Die smarten Brillen sollen tatsächlich das nächste Smartphone werden. Sie sind nicht die ersten, die über Brillen versuchen, die reale und die digitale Welt miteinander zu verschmelzen. Google Glass, zum Beispiel. Damals ein Flop, technisch wie auch gesellschaftlich. Was ist jetzt anders?

Google Glass war vom Aussehen her eine Geordi La Forge Gedächtnisbrille (Star Trek: The Next Generation). Und mit 42 Gramm lag sie schwer am Nasenrücken. Dafür war sie technisch weit ihrer Zeit voraus. Denn mit ihr war es bereits 2012 möglich, Fotos und Videoaufnahmen direkt mit der Brille zu machen - per Augenzwinkern. , man konnte Online-Inhalte abrufen und eine Integration von "Ok, Google" war ebenfalls bereits vorhanden. Kaum war die erste Faszination verflogen, kippte die Stimmung und es regte sich Widerstand gegen die Gläser. In Lokalen und Restaurants quer durch die USA hingen Verbotsschilder an der Tür. Man wolle sich nicht ausspionieren lassen, so der breite Tenor. Die Ablehnung ging sogar so weit, dass die Träger als "Glassholes" bezeichnet wurden.

Facebook

Sind diese Bedenken knapp neun Jahre nicht mehr aktuell? Im Gegenteil, verschärft durch die Pandemie wird mehr denn je über Datenschutz und Privatsphäre diskutiert. Davon unbeeindruckt zeigen sich die Hersteller, die nach dem nächsten Smartphone-Hype suchen. Dabei sind die in Kooperation mit Facebook und Ray Ban Sonnenbrillen mit integrierten Kameras entstanden, die sich kaum von einem herkömmlichen Modell unterscheidet. War bei den Google-Gläsern noch klar ersichtlich, dass hier Kameras verbaut sind, ist das bei den "Ray Ban Stories" nicht mehr der Fall. Die Kameras verschwinden nahezu im Rahmen. Fotos können geschossen werden und Videos mit einer Länge von bis zu 30 Sekunden sind möglich. Entweder man drückt auf einen Knopf auf der Brille, oder man sagt "Hey Facebook". Die Inhalte lassen sich dann auch direkt teilen, auf Facebook, Instagram und TikTok. Darauf beschränkt sich vorerst die Funktionalität der Brillen.

Übrigens nicht die erste Kooperation für Ray Ban. 2014 arbeitete Google bereits mit Luxottica, dem italienischen Hersteller von Sonnenbrillen der Marken Ray-Ban und Oakley.

Der chinesische Hersteller Xiaomi geht sogar noch einen Schritt weiter. Die vorgestellten Brillen sind noch im Konzeptstadium, sollen aber künftig das Smartphone ablösen. Die Smart Glasses können über integrierte LED Nachrichten anzeigen. Anrufe annehmen, sich mit der Brille durch fremde Städte navigieren lassen und natürlich auch das Aufnehmen von Fotos soll mit dem Modell künftig möglich sein. Insgesamt 497 Komponenten sind dem Unternehmen nach in der Brille verbaut, darunter ein Quad-Core-ARM-Prozessor, eine 5-Megapixel-Kamera, ein Akku, Touchpad sowie Wi-Fi- und Bluetooth-Module. Der Verkaufsstart ist hier noch in weiter Ferne. Beide Unternehmen werden sich aber auch mit datenschutzrechtlichen Fragen beschäftigen müssen. Besonders Facebook hat hier in der Vergangenheit nicht unbedingt Vertrauen aufbauen können. Stichwort: Cambridge Analytica.  Auch wenn einmal mehr beteuert wird, dass man die Privatsphäre bei der Entwicklung der Geräte sehr genau im Blick gehabt hätte. Facebook habe, wie The Verge berichtet, mit einigen Organisationen bei der Entwicklung zusammengearbeitet. Dennoch wünschten einige davon, dass das Licht ein bisschen sichtbarer geworden wäre.

Ein kleines Lämpchen leuchtet nämlich auf, sobald eine Aufnahme gestartet wird, oder Fotos gemacht werden. Außerdem wurden Benimmregeln veröffentlicht, die sehr große Ähnlichkeiten zu den damals von Google veröffentlichten haben.

Für Facebook ist die Zusammenarbeit mit Ray Ban sicherlich ein Vorteil. Die französisch-italienischen Marke genießt einen guten Ruf. Außerdem scheint auch nirgends Facebooks Logo auf der Brille auf, weswegen schnell vergessen werden könnte, mit wem man seinen Blick auf die Welt teilt.