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Statistik

Chinesische Studien: Schul-Lockdowns führen zu mehr Kurzsichtigkeit

Nach Ende der Corona-Maßnahmen sei die Tendenz laut Studien wieder rückläufig.

In China ist die Kurzsichtigkeit bei Kindern während der strengen (Schul-)Lockdowns leicht angestiegen. Eine aktuelle zweite Studie hat aber gezeigt, dass dieses Phänomen durch Tageslichtmangel und verstärktes Sehen im Nahbereich nach dem Ende von Lockdowns wieder reduziert wird. Das stellte am Mittwoch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) fest.

"Kurzsichtigkeit entwickelt sich meist im Alter zwischen acht und zwölf Jahren und hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten weltweit zugenommen. In asiatischen Ländern wie Singapur und China liegt die Rate der Myopie, wie der Fachausdruck für Kurzsichtigkeit lautet, unter jungen Erwachsenen bei über 80 Prozent, in Europa knapp unter 50 Prozent", hieß es in der Aussendung.

Nahsehen und wenig Tageslicht als Hauptursachen

Tageslichtmangel und langes Nahsehen sind die wesentlichen Ursachen für Kurzsichtigkeit. "In Asien verbringen Kinder sehr viel Zeit in geschlossenen Räumen, um zu lernen. Das ist der Hauptgrund für die stark verbreitete Myopie in Fernost", stellte Wolf Lagreze, Leitender Arzt an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg, fest.

Mittlerweile gibt es bereits mehrere Studien zu den Veränderungen, welche Covid-19 in Sachen Augenproblemen durch per Lockdown erzwungene Lebensstilmodifikationen mit sich gebracht haben. Während des strengen Lockdowns in China mit Ausgangsbeschränkungen und langandauernden Schulschließungen stieg die Kurzsichtigkeit gerade bei jüngeren Kindern an, wie eine chinesische Untersuchung mit hoher Fallzahl belegt hat. "Der Unterschied bei den Brillenwerten zu den Vorjahren war zwar gering, aber statistisch signifikant", erläuterte Lagreze.

In die wissenschaftliche Studie flossen die Daten aus Augenuntersuchungen von 123.535 Schulkindern ein. Es zeigte sich 2020 im Durchschnitt eine Veränderung um minus 0,3 Dioptrien im Vergleich zum Zeitraum 2015 bis 2020. Bei den Sechsjährigen waren es minus 0,32 Dioptrien in den Schuluntersuchungen, bei den Achtjährigen beispielsweise minus 0,29 Dioptrien. Die Studie ist in "Jama Ophthalmology" online Anfang dieses Jahres erschienen.

Auch ein umgekehrter Trend konnte belegt werden, was den Einfluss des Lebensstils nur noch deutlicher belegt. "Eine weitere Studie aus China zeigt inzwischen, dass die Myopierate nach dem Lockdown wieder rückläufig ist", stellte die deutsche Fachgesellschaft fest. "Das ist ein Beweis, dass Lichtmenge und Sehgewohnheiten einen Einfluss auf die Myopisierung haben", kommentierte der Freiburger Experte.

Relativer Anteil an Kurzsichtigkeitsbrillen unverändert

Offenbar ist es eher die Zeit im Freien im Tageslicht und ohne ständige Nachsicht-Tätigkeit, die den Ausschlag gibt. Dass allein die intensive Nutzung von PCs, Tablets oder Smartphones Kurzsichtigkeit fördert, ist laut deutschen Beobachtungen eher unwahrscheinlich. Laut der groß angelegten deutschen Kindergesundheitsstudie (Kiggs-Studie) hat die Häufigkeit von Kurzsichtigkeit unter Kindern in den zurückliegenden elf Jahren nicht zugenommen. Auch der relative Anteil an Brillen, die wegen Kurzsichtigkeit verordnet werden, blieb in den vergangenen 16 Jahren unverändert.

"Es gibt bisher keine kontrollierte Studie, die einen Einfluss von Smartphones, PCs oder Tablets auf die Kurzsichtigkeit belegt", sagte Lagreze. Erwiesen sei jedoch, dass Tageslicht vor Kurzsichtigkeit schützt. "Kinder sollten deshalb täglich zwei Stunden im Freien verbringen", fügte der Experte hinzu. Setze die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit ein, sollte das Fortschreiten abgebremst werden - mit hoch verdünnten Atropinaugentropfen, speziellen Brillen oder Kontaktlinsen. Zum Effekt von Atropintropfen in der Behandlung von Kurzsichtigkeit läuft in Deutschland eine Studie der Fachgesellschaft der Augenärzte.

(APA)