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Afrika

Gerüchte über geplante russische Militärpräsenz in Mali

leader Goita during a pro-FAMA demonstration in Bamako
Russische Fahne bei einer Pro-Regierungs-Demo in Bamako.REUTERS
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Laut informierten Quellen will die Junta des westafrikanischen Landes Söldner der russischen Firma „Wagner" anheuern. Nun warnt Frankreich Mali und Russland vor so einem Schritt in seiner früheren Kolonie. Moskau behauptet, mit der Sache nichts zu tun zu haben.

Russland hat Berichte im Westen über eine geplante Militärpräsenz im westafrikanischen Staat Mali zurückgewiesen. „Es gibt dort keinen Vertreter der russischen Armee (...) und es gibt keine offiziellen Verhandlungen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch.

Der Hintergrund ist durchaus brisant. Vor zwei Tagen hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Quellen gemeldet, dass es Geheimverhandlungen zwischen Russland und der malischen Regierung über die Stationierung von - vorerst - Söldnereinheiten in Mali gebe, namentlich von der russischen Militärfirma „Gruppe Wagner" - und zwar im Ausmaß von mehr als 1000 Mann.

Wagner wurde ab 2013/14 von einem russischen Offizier aufgebaut, der den Dienst quittiert hatte und eigene Wege ging. Verlässliche Informationen zu der Gruppe sind spärlich, aber obwohl es keine formellen Verbindungen mit dem russischen Militär gibt, gibt es sie sehr wohl faktisch, und zum Geheimdienst; so finden etwa Teile der Ausbildung auf staatlichen Truppenübungsplätzen statt und Wagner-Kämpfer waren unter anderem in Syrien, wo Russland militärisch engagiert ist.

Mehrere Tausend Söldner wurden primär in Russland und Weißrussland, aber auch etwa in der Ukraine und in Balkanstaaten wie Serbien rekrutiert. Aktivitäten von ihnen hat man neben Syrien auch etwa aus dem ostukrainischen Bürgerkriegsgebiet, dem Sudan, Zentralafrika, Libyen, Madagaskar und Venezuela gemeldet.

Frankreich fürchtet um seinen „Hinterhof"

In Mali würden sie indes auf ein besonders heikles Terrain treffen, weil dieses verarmte Land, wo man im Verband mit Streitkräften anderer afrikanischer Staaten und aus Europa seit Jahren Islamisten bekämpft, eine ehemalige Kolonie Frankreichs ist, und Paris dort nach wie vor allerhand Interessen hat. Und so gab es offenbar schon vor dem Erscheinen des erwähnten Reuters-Berichtes in Frankreich Bemühungen, den Deal mit den Russen zu torpedieren. Paris wolle keine Einmischung Moskaus in seinen „Hinterhof" in West- bzw. Nordafrika, hieß es.

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In Mali sind auch deutsche Soldaten stationiert.APA/AFP/SEYLLOU

In Mali hatte es im Vorjahr sowie heuer im Mai Militärputsche gegeben, aktueller Staatschef ist Assimi Goïta, zuvor Oberst der Armee. Die Wagner-Söldner hätten die malischen Truppen ausbilden, aber auch eigene Anti-Terror-Aktionen durchführen sollen, hieß es.

Stellungnahmen der Wagner-Gruppe gab es auf Medienanfrage (naturgemäß) nicht. In dem Konnex ist aber interessant, dass Paris in den vergangenen Monaten der malischen Führung mehrfach vorgeworfen hat, zu wenig gegen islamistische Terroristen zu tun. Unterschwellig ist sogar von einem gewissen Entgegenkommen diverser Kräfte in der malischen Führung in Bezug auf Islamisten die Rede, wehalb Frankreich bereits mit einem Teilabzug seiner Militärs aus Mali und anderen Ländern der Region gedroht hat - siehe dazu diese Geschichte.

Öffentliche Meinung günstig für Russland

Ein Sprecher der Interimsregierung in Malis Haupstadt Bamako, Baba Cisse, sagte auf Anfrage von Reuters, dass er nichts von einem möglichen Geschäft mit Wagner wisse. Das seien Gerüchte, und die könne er nicht kommentieren. Allerdings sagte er dann etwas interessantes: „Die öffentliche Meinung im Land ist für mehr Zusammenarbeit mit Russland." Dazu passt gut die Nachricht, dass Malis amtierender Verteidigungsminister, Sadio Camara, erst Anfang September in Moskau war. Und tatsächlich hat man in den vergangenen Monaten bisweilen russische Fahnen bei Pro-Regierungs-Demos in Mali gesehen.

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Dieser russische T-72-Panzer wurde Ende August beim Internationalen "Panzer-Biathlon) nahe Moskau just von einer Crew aus Mali gefahren.imago images/SNA

Mittlerweile kamen offizielle Stellungnahmen aus Paris zu der Sache: Russische Söldner in Mali seien "absolut unvereinbar mit unserer Präsenz", sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch. Und selbst aus Bamako kam eine zerknirschte Bestätigung: Dort räumten Militärsprecher ein, dass Gespräche mit Wagner geführt worden seien. Man habe aber noch nichts unterschrieben.

Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly nannte die Möglichkeit eines solchen Abkommens "äußerst besorgniserregend". Es stünde im Widerspruch zu Frankreichs militärischem Engagement in der Sahelzone in den vergangenen acht Jahren.

Auch Bundesheer in Mali

In Mali gibt es neben der französischen Militärpräsenz auch zwei internationale Einsätze, an denen jeweils auch das Bundesheer beteiligt ist. Zehn österreichische Soldaten beteiligen sich an der EU-Ausbildungsmission EUTM, drei sind Teil der UNO-Mission MINUSMA, die als gefährlichster Blauhelm-Einsatz der Welt gilt. Im Juni waren zwölf deutsche Armeeangehörige und drei weitere UN-Soldaten bei einem Selbstmordanschlag verletzt worden.

(APA/AFP/Reuters/wg)