Bei Brezina ist nicht alles okidoki

(c) ORF (G�nther Pichlkostner)
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Fernsehen. Das ORF-Kinderprogramm Okidoki erneuert zum zweiten Geburtstag sein Angebot. Hinter den Kulissen gibt es einige Differenzen. Im vergangenen halben Jahr haben acht Mitarbeiter gekündigt.

So viel Lob auf einmal ist selten. Aber Thomas Brezina nimmt es gelassen, wenn Unterhaltungschef Edgar Böhm ihn als „Mastermind“ des ORF-Kinderfernsehens bezeichnet, als „erfolgreichsten Kinderkulturfernsehmacher Österreichs, wenn nicht sogar Europas“. An Superlative ist der Held der Kleinen gewöhnt, Bezeichnungen wie „Österreichs Antwort auf Joan K. Rowling“ rühren ihn nicht mehr.

Der 47-jährige Kinderbuchautor, der seit mehr als 20 Jahren Kinderfernsehen macht, scheint zu wissen, wie wichtig er für das ORF-Kinderprogramm ist – und das Kinderprogramm für den ORF. Wie wichtig, das sieht man daran, dass ORF-General Alexander Wrabetz bei der Präsentation der Neuheiten des Kinderprogramms am Dienstag persönlich dabei war. „Okidoki“ – erst vor zwei Jahren völlig neu gestaltet – begeht dieser Tage ein kleines Jubiläum. 2008 hat „Okidoki“ das frühere „Confetti TV“ abgelöst. Name und Konzept – „Okidoki ist ein Begriff, der Lebensfreude ausdrückt“ – stammen von Brezina, produziert werden die Sendungen von der „Kids TV GmbH“, die Hans Ponsold gehört, dem langjährigen Agenten von Brezina.

Bei der Präsentation der neuen Wissenssendung „7 Wunder“ (ab 30.Oktober) betonte Wrabetz, wie gut die Neugestaltung des Kinderfernsehens funktioniere. Von wöchentlich 32 Stunden würden 16 Stunden eigenproduziert, kein anderer österreichischer Sender würde eigenproduziertes Fernsehen anbieten. Ein eigener Kindersender, etwa in Kooperation mit dem öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (Kika) in Deutschland, „wäre anzustreben“, aber derzeit nicht das Wichtigste.

Acht Mitarbeiter gekündigt

So viel Lob wie vom ORF bekommt Thomas Brezina allerdings nicht von den Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten, oder besser: zusammengearbeitet haben. Bei „Kids TV“ gibt es seit geraumer Zeit heftige Turbulenzen. Im vergangenen halben Jahr haben acht Mitarbeiter gekündigt oder sind gekündigt worden, hört man. Ein ehemaliger Angestellter, der anonym bleiben will, sagt zur „Presse“: „Man hält es einfach nicht mehr aus da drinnen.“ Das liege zum Teil auch an Brezina, der „ein Arbeitstier“ sei und durchaus auch einmal am Abend vor der Aufzeichnung einer Sendung alle Vorbereitungen umwerfen würde. Was die Produktionskosten natürlich in die Höhe treibt. Für das Kinderprogramm gibt der ORF rund zehn Millionen Euro pro Jahr aus.

Brezina und Ponsold bestätigen die Abgänge und reagieren gelassen auf die Vorwürfe. Brezina glaubt, ein personeller Wechsel sei „sehr gut“, weil es einer Neupositionierung des Programms bedürfe. Ob die Abgänge mit ihm zu tun haben? „Vielleicht. Aber das Einzige, was zählt, ist das Produkt.“ Auch Ponsold gibt zu, dass Mitarbeiter gehen, sogar zum Teil nicht nachbesetzt werden, und sagt: „Die Qualität ist allem unterzuordnen. Und wir drehen unentwegt Neues. Das macht manche narrisch, weil sie denken: ,Kann er nicht eine Ruhe geben, der Brezina?‘“

Ponsold selbst streut Brezina Rosen. Auf die Frage, welche Position er innehabe, sagt er: „Er ist der Thomas. Es gibt keine Bezeichnung. Alles, was Sie bei ,Okidoki‘ sehen, ist von ihm.“ Brezina sieht sich selbst als „Geschichtenerzähler“. Er schreibt aber nicht nur die Konzepte für die verschiedenen Sendungen, sondern tritt fast immer auch persönlich darin auf. Etwa in „7 Wunder“. Bezahlt werde Brezina direkt vom ORF, nicht von „Kids TV“, sagt Ponsold.

Nachrichtenformat „WWW“ eingestellt

Ein weiterer Vorwurf von ehemaligen „Kids TV“-Mitarbeitern lautet, freie Mitarbeiter würden teilweise sehr lange auf ihr Honorar warten. „Das stimmt ja und nein“, sagt Ponsold: „Wenn es passiert ist, dann hat das meist mit einem Cashflow-Problem zu tun, wenn das Geld für gewisse Sendungen vom ORF noch nicht da ist.“

Brezina lebt seit 17 Jahren in London, seiner „künstlerischen Heimat“, wie er sagt. Das Kinderfernsehen der öffentlich-rechtlichen BBC nennt er als sein Vorbild. Diese folgt wie der ORF einem Trend im Kinderprogramm: Live-Formate gibt es keine mehr. Weil sie zu teuer sind. Ein Produkt muss „repertoirefähig“, möglichst oft wiederholbar sein.

Deshalb werden auch die Nachrichtensendungen „WWW“ und „Team Okidoki“ – bald – wahrscheinlich noch heuer – eingestellt: zwei Sendungen, die den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF besonders ernst genommen haben, aber laut Ponsold keine besonderen Quoten haben. Und natürlich: Man kann sie wegen des Nachrichtenanteils nicht wiederholen.

TV-Kinderprogramm

Die ORF-Kinderschiene „Okidoki“ bringt seit zwei Jahren täglich von 6 bis 7.30h (Sa, So: bis ca. 11 und 12h) und von 13 bis 15h Serien und Eigenproduktionen. Die Sendungen werden von Kids TV produziert und dem ORF zugeliefert. Kinderbuchautor Thomas Brezina ist kreativer Kopf von „Okidoki“.

Ab 30. Oktober startet mit „7 Wunder“ (Sa: 8.55h, So: 8.25h) ein neues Wissensformat. Der neue Kasperl ist von Gottfried Kumpf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2010)

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