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Femizid

Somalier wollte weiter töten

In diesem Haus in Favoriten soll sich am Montag ein Doppelmord ereignet haben.
APA/HANS PUNZ
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Nach den Gewalttaten wird die Kritik lauter: „Im Ein- bis Zweiwochentakt werden Frauen abgeschlachtet, ihr Leben zählt nichts.“

Der 28-jährige Somalier, der in Favoriten zwei Frauen getötet hat, hat umfassend gestanden. Er sagte aus, dass es am Montagvormittag in der Wohnung seiner 37-jährigen Ex-Frau zu einem Streit um SMS gekommen sei. Darauf holte der Mann nach seinen Angaben ein Nudelholz, schlug damit auf die Frau ein, auch versetzte er ihr Stiche mit einem Messer.

Nachdem die Frau offenbar tot war, blieb er in der Wohnung, wartete auf eine 35-jährige Freundin seiner Ex-Frau, die oft zu Mittag zu Besuch kam. Der 28-jährige betrank sich, beim Eintreffen der Frau stach er auf sie ein und wollte darauf, so seine Angaben, auch noch einen dritten Menschen töten: Per SMS kontaktierte er einen 36-Jährigen, vereinbarte ein Treffen. Diesen Mann (wie laut eigener Aussage beabsichtigt) zu töten gelang ihm aufgrund der schweren Alkoholisierung nicht. Der Besucher verständigte die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft hat U-Haft beantragt, der 28-Jährige soll noch am Mittwoch in eine Justizanstalt überstellt werden. Die vierjährige Tochter des Somaliers und der getöteten 27-Jährigen wird weiter in einem Krisenzentrum der Kinder- und Jugendhilfe betreut.

Dass der Mann – seit 2014 in Österreich, seit 2016 asylberechtigt – trotz mehrerer Anzeigen, etwa wegen Sexualdelikten, einen aufrechten Asylstatus hat, sorgt weiter für Unmut. Asylaberkennungsverfahren wurden gestoppt, weil auch die Anzeigen gegen den Mann eingestellt wurden. Auch von Opferschutz- und Frauenorganisationen kommt heftige Kritik, etwa an mangelnder Prävention, daran, dass Anzeigen wegen Gewalt wie in diesem Fall allermeist eingestellt werden – oder an der Politik.

Ruf nach Krisenstab

„Hier bleibt ein Kind allein zurück, zwei Frauenleben sind verloren, ihre Leben scheinen nichts zu zählen. In Österreich werden im Ein- bis Zweiwochentakt Frauen abgeschlachtet und von der Politik kommt nicht einmal ein Wort des Bedauerns“, sagt Klaudia Frieben, die Vorsitzende der Dachorganisation Österreichischer Frauenring (ÖFR); handle es sich bei diesen Taten doch bereits um Femizid Nummer 20 und 21 in diesem Jahr.

Der ÖFR fordert nun etwa die sofortige Einsetzung eines Krisenstabes zu Gewalt und regelmäßige Fallkonferenzen zu Hochrisikofällen unter Einbeziehung der Opferschutz-NGOs. Seit Mai, als die Regierung 24,6 Millionen Euro zusätzlich für Gewaltschutz zugesagt hat, sei zu wenig passiert. Bis auf die verpflichtende Täterberatung im Fall von Betretungs- und Annäherungsverboten sowie Ausschreibungen für Projektförderungen sei kaum etwas passiert. Die Mittel der etablierten Gewaltschutzorganisationen seien nicht aufgestockt worden, kritisiert Frieben.

Im Innenministerium will man jedenfalls die Zusammenarbeit mit Gewaltschutzorganisationen verbessern, vorige Woche fand dazu ein Vernetzungstreffen statt.

(Die Presse)