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Covid-Pass

3G-Pflicht bei der Arbeit: Italien streitet über gratis Coronatests

Covid-Pass-Kontrolle vor dem Kolosseum in Rom.
Covid-Pass-Kontrolle vor dem Kolosseum in Rom.REUTERS
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Alle Arbeitnehmer müssen getestet, geimpft oder kürzlich genesen sein, um ihrem Job nachgehen zu dürfen. Gewerkschaften und Rechtsparteien fordern nun gratis Coronatests. Doch Premier Draghi befürchtet in der Folge sinkende Impf-Nachfrage.

Nach der Ankündigung der italienischen Regierung, die 3G-Regel auch für Beschäftigte des öffentlichen und privaten Sektors einzuführen, ist ein Streit über kostenlose Coronatests entbrannt. Die Gewerkschaften und die mitregierende Rechtspartei Lega fordern Gratistests für die Arbeitnehmer, Regierungschef Mario Draghi stemmt sich dagegen. Er befürchtet, dass sich dadurch weniger Arbeitnehmer impfen lassen werden.

Bei einer Ministerratsitzung am Donnerstagnachmittag will die Regierung in Rom den sogenannten Grünen Pass auf alle Beschäftigten ausdehnen. Nach der 3G-Regel sollen Beschäftigte nur mehr geimpft, genesen oder getestet an ihren Arbeitsplatz kommen dürfen. Der Grüne Pass soll Bedingungen für den Zutritt zu allen öffentlichen und privaten Büros werden. Wer das nicht einhält, muss mit einer Strafe zwischen 400 und 1000 Euro rechnen, kann jedoch nicht gekündigt werden. Diese Regierungslinie könnte zu Komplikationen führen. Laut Schätzungen des Kabinetts haben 4,1 Millionen Arbeitnehmer in Italien bisher keinen Grünen Pass.

Gewerkschaft pocht auf kostenlose Tests

Die Gewerkschaften und Rechtsparteien urgieren kostenlose Tests für Arbeitnehmer. "Wenn die Regierung einen Grünen Pass für öffentliche und private Arbeitsplätze einführt, muss sie kostenlose Schnelltests garantieren. Die Kosten können jedoch nicht auf die Arbeitnehmer oder Unternehmen abgewälzt werden", kritisierte die Chefin der oppositionellen postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia (FdI, Brüder Italiens), Giorgia Meloni.

Auch die mitregierende Lega stemmt sich gegen die Ausdehnung des Grünen Passes. "Wir sind zwar für den Schutz der Gesundheit der Bürger auch am Arbeitsplatz, wir können aber die Verpflichtung zum Grünen Pass nicht auf 60 Millionen Italiener ausweiten", warnte Lega-Chef Matteo Salvini.

Der Pass - ein digitales oder Papierzertifikat, das belegt, dass eine Person mindestens eine Impfdosis erhalten hat, negativ getestet wurde oder vor kurzem genesen ist - wurde ursprünglich entwickelt, um das Reisen zwischen den EU-Staaten zu erleichtern. Italien verwendet den Grünen Pass intern als Zutrittsvoraussetzung zu Einrichtungen wie Museen, Fitnessstudios und Restaurants in Innenräumen. Anders als in Österreich gilt die 3G-Regelung auch auf Bussen und Zügen im Fernverkehr.

Zuletzt heftige Proteste

Italien hatte bereits im Mai eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal eingeführt, das vergangene Woche auch auf Mitarbeiter von Seniorenheimen ausgedehnt wurde. Schulpersonal, Universitätsprofessoren und Studenten müssen den Grünen Pass vorweisen. Die Maßnahme ist umstritten. Zuletzt gab es in Italien landesweit heftige Proteste gegen die Corona-Politik. Seit zwei Monaten finden samstags in den Großstädten Demonstrationen gegen den Grünen Pass statt. Eine große Protestkundgebung ist am 25. September in Rom geplant.

Rund 73 Prozent der 60 Millionen Italiener haben mindestens eine Impfung erhalten und 65 Prozent sind vollständig geimpft. Ab dem 20. September beginnt Italien mit der Verabreichung der dritten Impfdosis an besonders gefährdete Menschen.

(APA)

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