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Aston-Martin

Die Seele des Racers

Rechtzeitig im Stall zum Fünf-Uhr-Tee: Zwei Generationen der Aston-Saga.

Aston Martin und eine berühmte Persönlichkeit, irgendwie kommt da immer James Bond heraus. Dabei ist die wirklich bedeutende (zumal reale) Figur in der Geschichte der Marke, von ihren Gründern abgesehen, ein gewisser Brown, David Brown (1904–1993). Der Enkel des gleichnamigen berühmten englischen Traktorindustriellen war 1946 über eine Kleinanzeige in der „Times“ gestolpert, eine Automarke wurde zum Verkauf angepriesen: „High Class Motor Company for Sale.“

„High Class Motor company for sale“ stand in der „Times“. David brown schlug zu.


David Brown sah sich das Werk an, kaum mehr als eine bescheiden ausgestattete Manufaktur, begutachtete den vielversprechenden Prototypen namens Atom und handelte den Kaufpreis um ein Drittel herunter. Mit einer eigenen Autoproduktion konnte nun auch er sich einen Namen machen – man findet ihn im Markenemblem jener Ära, die zur glanzvollsten von Aston Martin geraten sollte. Die unter David Brown entstandenen Baureihen trugen zudem seine Initialen, von DB1 bis DB6, mit dem DBS als letzter Neueinführung unter seiner Regie. Diese endete 1972, da steckte er mit dem Werk in Zahlungsschwierigkeiten und übergab an ein Konsortium. Es sollte noch öfter spannend werden für die Belegschaft, die nicht immer wusste, ob sie in der kommenden Woche noch offene Tore vorfinden würde. 1975, am Tiefpunkt, waren 21 Exemplare gebaut worden, selbst für eine noble Marke etwas gar viel Exklusivität.

Die Geschichte der Marke ist demnach auch eine ihrer vielen Retter, die immer zur rechten Zeit auftauchen. Doch unter David Brown hat sich alles zugetragen, was die Marke zum Mythos gemacht hat, wie er heute noch, vielleicht mehr denn je, im vollen Swing ist. Alles begann mit dem DB2, weshalb es dem anglophilen Sammler Wolfgang Alber ein Bedürfnis war, dieses Auto in seinem Stall zu wissen. Mit dem Modell war Browns zweites Investment, 1948 getätigt, ins Spiel gekommen: die englische Vorkriegsheldenmarke Lagonda, die mit einem Zwölfzylinder Le Mans gewonnen hatte. Der Motor war eine Konstruktion des großen O. W. Bentley (der seine eigene Marke in den frühen 1930ern an Rolls-Royce verloren hatte), daraus entwickelte sich ein moderner DOHC-Reihensechser, der perfekt in die rundum weiterentwickelte Version des Atom passte (im DB1 steckte noch der hauseigene Zweiliter). Brown hatte noch den österreichischen Rennkonstrukteur Eberan von Eberhorst ins Boot geholt, der die Basis für einen Le-Mans-Racer schaffen sollte. Der DB2 wurde schließlich im Herbst 1950 präsentiert, ein schneller Zweisitzer für den wohlhabenden Sportsfreund (der Viersitzer folgte bald), mit allen Anlagen des bald folgenden erfolgreichen Racers.

Seit Lawrence stroll übernahm, FUHR in der Formel  1 ein Aston Martin voraus.


Viel dramatischer ließ sich Automobilhistorie kaum komprimieren, als Stirling Moss in Le Mans den Einsatz von vier Aston-Racern anführte und ohne Schonung die an sich schnelleren Ferraris in die Verausgabung trieb, letztlich selbst liegenblieb, aber Carroll Shelby im offenen DBR1 den Weg zum Sieg ebnete. Shelby, Amerikaner, Schöpfer der AC Cobra, sollte bald darauf zu den Protagonisten des Ford-Triumphs mit dem GT40 über Ferrari gehören, aber das ist eine andere Story (verfilmt in „Le Mans 66“, 2019).

David Brown und Aston Martin waren also in kürzester Zeit zur Einheit verschmolzen, zum 24-Stunden-Sieg hatte man auch noch den Sportwagenweltmeistertitel in der Tasche. Es standen glanzvolle Jahre bevor, in denen ein DB5 als Bonds Dienstwagen („Goldfinger“, 1964) quasi direkt in die Unsterblichkeit führte.

Mit dem epochalen DB2 ist auch der Begriff „Vantage“ für leistungsgesteigerte Varianten ins Spiel gekommen, was uns schnurstracks zur heutigen V8-Baureihe des Hauses führt (auch wenn gelegentlich ein V12 in den Motorraum gezwängt wird). Die meiste V8-Power entfacht der Vantage in neuester F1-Edition, mit 535 statt 510  PS und Heckflügel in Jausenbankgröße. Aston und Formel 1? Das war in der Frühgeschichte, vor 70  Jahren, ein eher kurzes Vergnügen. Doch abermals sind die Karten neu gemischt, das Sagen am Aston-Stammsitz Gaydon hat seit dem Vorjahr der Kanadier Lawrence Stroll, der eine Menge Geld mit Mode gemacht hat und einen Rennstall besitzt (in den Cockpits: Sohn Lance Stroll und Sebastian Vettel). Der trägt nun den feinen englischen Namen, und was läge näher, als dies mit einem Sondermodell auf die Straße zu bringen?

Der DB2 erzählt die Geschichte von Menschen, die das Tempo lieben.


Die F1-Edition spart viel Zeit beim Spezifizieren, denn das Auto ist komplett eingerichtet und in einer anderen Farbe nicht zu haben, einzige Extras: Karbonbremsscheiben und Premiumaudio. Die fahrdynamischen Feinheiten im Unterschied zum Standard-Vantage sind ohne Rennstrecke ein bisschen schwierig herauszuarbeiten, denn das Aeropaket braucht ein bisschen Tempo, um seine Wirkung zu entfalten, wir denken an Kurven, die man nach einer 270-km/h-Geraden anbremst und dergleichen, das gibt unsere gute, alte Hausstrecke beim besten Willen nicht her. Erfreuen wir uns am satten Dampf des Turbo-V8, den Aston Martin, ebenso wie den gesamten Antriebsstrang plus Elektronikarchitektur, von AMG-Mercedes bezieht. Der Rohbau aus verklebten Alustrukturen ist wiederum eine Aston-Spezialität, er sorgt für hohe Steifigkeit und sportliches Gewicht. Der DB2 indes, 71 Jahre jung, vor Gesundheit strotzend, ist für Wolfgang Alber das Herzstück in einer umfangreichen Sammlung englischer Marken der Nachkriegsepoche, das Auto erzählt die Geschichte einer ihrer größten Namen, von Menschen, die das Tempo lieben. „Traumhaft“ fahre er sich, wie Alber sagt, man könne sich auch bei schneller Fahrt auf ihn verlassen.

(c) Juergen Skarwan

Führt in der Formel 1 das Feld an:

Zumindest als Race Car, käuflich als Vantage F1: Mit mehr Leistung, Rennstreckenabstimmung und Aero-Bodykit samt großem Heckflügel.

Name : Aston Martin Vantage F1
Preis : 195.955 Euro
Motor : V8-Zyl.-Turbo, 3982 ccm
Leistung : 535 PS bei 6000/min
Gewicht : 1630 kg
0–100 km/h : 3,6 Sekunden
Vmax : 314 km/h

(c) Juergen Skarwan

David Brown lässt grüßen:

Zentrales Modell aus den Schicksalsjahren der Marke, besitzt schon alle Anlagen der späteren erfolgreichen Racer – Le-Mans-Sieg 1959!

Name : Aston Martin DB2
Bauzeit : 1950 bis 1953
Motor : R6-Zylinder, 2580 ccm
Leistung : 108 PS bei 5000/min
Gewicht : 1112 kg
0–100 km/h : 12,5 Sekunden
Vmax : 188 km/h