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Lokalkritik

Testessen im Rhythms Bar & Kitchen

Rythms Bar & Kitchen
Rythms Bar & Kitchen(c) MARCEL KOEHLER
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Ein Musikrestaurant namens Rhythms in einem Musik­hotel namens Jaz? Geht es noch? Ziemlich gut sogar.

Restaurantkritiker sind mitunter schlichte Geister, die Verrisse und Lobgesänge werden im Kopf schon formuliert, bevor der Gang eingestellt wird. Das Vorurteil setzt sich häufig durch. Wenn also etwa eine deutsche Hotelkette im hipsterheiligen Mariahilf ein Musikhotel mit dazu passendem angesagtem Restaurant namens „Rhythms“ eröffnet, freut sich der kleine Kritiker. Ein deutsches Musikhotel (Schallplattenspieler im Zimmer, dickere Mauern) für die Musikhauptstadt Wien? Was kommt als Nächstes? Die Iren kommen mit einem Weißwein-Hotel? Die Italiener bringen uns den Grant bei? Oder Isländer, wie man paniert? Derart in Rage gewitzelt geht es in das neue Lokal, das gleich mehrere Stationen oder Inseln hat, wie uns die deutsche Restaurant­leiterin erzählt: Lounge, Rotlichtschachtel, Gras-Industrie-Eck, Nobelsitzkäfige und eine Bar. Die Begeisterung der freundlichen Frau ist so ansteckend, wie wenn die Jüngsten stolz die Schätze ihrer Kinderzimmer zeigen.

Die Karte ist mutig bestückt, viele Lebensmittel werden mit Herkunft und Exegese genau beschrieben. Mutige bestellen ein Überraschungsmenü, ich halte mich an die Klassiker, die derzeit viele Restaurants zu Recht bieten, und erwarte natürlich deutsche Patzer: Doch das Wiener Schnitzel geht als fast perfekt durch. Das Rumpsteak spielt mit der nahen und fernen Konkurrenz locker mit, die Beilagen tun es auch. Als ebenso gut entpuppt sich das Beef Tatar, die gebackenen Salatherzen waren leider schon kühl, bestellt aber ­vermutlich keiner. Eigentlich will ich noch den Burger bestellen, den die Kellnerin empfiehlt, nehme aber den bei der Zubereitung ­fehleranfälligen Zander (Filet) mit einer Apfel-Raupen-Bundestagswahl-­Grünen-Beilage, die dann endlich fast langweilig schmeckt. Im Hintergrund singt die Sängerin Barklassiker. Dafür ist der Zander tadellos, und ich verzehre mich nach dem nicht bestellten Burger. Das Finale hat Potenzial für das beste Kinderdessert des Kontinents. Senkrecht montierte Früchtespieße werden serviert, die Stücke sollen mit der darunterliegenden Crispy-Brause-Mischung aufgetunkt werden. Die Geräusche, die da beim ­Verzehr ertönen, haben ganz entfernt mit Musik zu tun. Langsam, aber sicher ­verstehe ich das Konzept

Infos

Rhythms Bar & Kitchen, Jaz in the City, Windmühlgasse 28, 1060 Wien, Tel.: +43/(0)1/253 00 61-0, Restaurant: Di–Fr: 18–0, 18–2 Uhr.

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