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Russland

Wie Putin Unmengen an Geld hortet - und wie dieses nutzlos verpufft

Russlands Staatschef Wladimir Putin.
Russlands Staatschef Wladimir Putin.(c) Imago
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So manche Wirtschaftsdaten in Russland lassen den Westen vor Neid erblassen. Dennoch sinkt der Lebensstandard massiv. Und wenn ein Kreml-Vertreter mit seiner Prognose recht hat, wird es schon bald „mehr als ernst“. Was steht da bevor? Und was läuft eigentlich schief?

Wer verstehen will, was die russischen Machthaber unter Gewaltenteilung meinen, lässt sich am besten von Boris Gryslow aufklären. „Das Parlament ist kein Ort für Diskussionen“, sagte sein einstiger Vorsitzender und Exchef der dominanten Kreml-Partei Einiges Russland schon vor Jahren. Und damit das auch so bleibt, griff die Regierung angesichts der heute startenden Parlamentswahlen zuletzt tief in die Tasche. Je 10.000 Rubel (115 Euro) zusätzlich erhielt jeder der 42,8 Millionen Pensionisten auf sein Konto überwiesen. Noch besser, mit je 15.000 Rubel, wurden die Militärangehörigen bedient. Die Inflation, die im August auf 6,7 Prozent angestiegen ist, sei der Grund, ließ Putin wissen. Dass die finanziellen Zuwendungen ihrerseits die Teuerung weiter anheizen, glaubt er nicht.

Pensionisten, Militärs und Angestellte im aufgeblasenen Staatsapparat sind die Garanten dafür, dass „Einiges Russland" die Mehrheit in der Staatsduma behält. Und dass das bestehende System zementiert wird. Dieses lautet auf Sicherheit, Abwehr, geopolitische Ambition und rohstoffbasierte Staatswirtschaft. Erkauft mit sinkendem Lebensstandard.

Mit dem Wohlstand nämlich steht es seit geraumer Zeit nicht mehr zum Besten. Die kurze Periode der Rohstoffhausse der Nullerjahre, in der ihn das Volk zum ersten Mal genießen konnte, ist lang her. Seit 2014, dem Jahr des ungeahnten Ölpreisverfalls und der Sanktionen infolge der Krim-Annexion, geht er zurück. Die real verfügbaren Einkommen sanken seither um über zehn Prozent. Die Zahl der offiziell Armen wuchs. Millionen wollen auswandern. Das Bruttoinlandsprodukt, das zuvor mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu sieben Prozent glänzte, stieg zwischen 2013 und 2020 laut Statistikamt im Schnitt jährlich mit nur 0,5 Prozent.

Starke Zahlen

Gewiss, man muss das Glas deshalb nicht gleich halb leer sehen. Im Gegenteil.