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Interview

„Deutschland ist der alte Mann Europas“

„Was Frau Merkel nicht gemacht hat: Dinge, die sie für wahr gehalten hat, auch durchzuhalten.“(c) Michèle Pauty (Michèle Pauty)
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Der österreichische Ökonom Gabriel Felbermayr hat die Ära Merkel in Deutschland verbracht. Im Gespräch erklärt er die Versäumnisse der Kanzlerin, deutsche Tabus und warum das Land für schmerzhafte Debatten zu feige ist.

Die Presse: Der Reformstau in Deutschland wird gern auf die Ära von Angela Merkel zurückgeführt. Welchen Anteil hatte sie?

Gabriel Felbermayr: Die Kanzlerin hätte sehr viel tun können, aber sie hätte möglicherweise ihre politische Karriere geopfert. So wie das Gerhard Schröder getan hat: Er hat durch die Hartz-Reform die Dynamik hergestellt, die in Deutschland bis 2015 für Wachstum, volle Kassen des Staates und niedrige Arbeitslosigkeit gesorgt hat. Aber die Reform hat auch seine politische Karriere beendet.

Ein ähnliches Risiko wollte Angela Merkel nicht eingehen?

Wenn sich die Stimmung gegen Dinge gedreht hat, die ihr zu Beginn ihrer Kanzlerschaft wichtig gewesen sind, ist sie eingeknickt – das reicht von der geplanten Vereinfachung des Steuerrechts bis zur Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke. Die wurde erst beschlossen, nach Fukushima machte sie eine Kehrtwende. Was Frau Merkel nicht gemacht hat: Dinge, die sie für wahr gehalten hat, auch durchzuhalten.

Sehen Sie unter den Kanzlerkandidaten jemanden, der bereit ist, die Karriere zu riskieren?