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Pädagogik

Zukünftige Generationen sind keine fremde Spezies

(c) imago images/Martin Bäuml Fotodesign (Martin B�uml via www.imago-images.de)
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Die Chance, etwas zu verändern, bringt Jugendliche am ehesten dazu, nachhaltig zu denken und zu leben. Das zeigt sich bei den Projekten des „Ökolog“-Netzwerks für Schule und Umwelt. Heuer beschäftigen sich diese vor allem mit dem Kampf gegen den Klimawandel.

Wie viel Energie verbraucht die Heizung? Welche Ressourcen stecken in der Nahrung? Wie steht es um die Müllvermeidung? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich Kinder und Jugendliche, wenn sie zum „Fußabdruck-Rechner“ greifen und damit die Nachhaltigkeit ihrer Schule unter die Lupe nehmen. Er wurde von Forschern der TU Graz entwickelt und soll die Heranwachsenden zur aktiven Auseinandersetzung mit Umweltparametern in ihrer unmittelbaren Lebensumgebung anregen, ihren Blick für Schwachstellen im Umgang mit der Natur schärfen und sie über Verbesserungsmöglichkeiten nachdenken lassen.

Entstanden ist der Rechner im Rahmen eines Projekts, das vom Schulnetzwerk Ökolog durchgeführt wurde. Es besteht seit nunmehr 20 Jahren, 645 österreichische Schulen sind beteiligt. „Bei Ökolog geht es in Kooperation mit dem Bildungsministerium darum, junge Menschen an eine ökologische Alltagskultur heranzuführen, indem sie Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen leben, Lernerfahrungen sammeln und Handlungskompetenz erwerben“, sagt Koordinator Franz Rauch vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Universität Klagenfurt. Im Vorjahr wurde Ökolog mit dem Sustainability-Award des Wissenschafts- und des Klimaministeriums ausgezeichnet.

Was abstrakt klingt, wird an den Schulen an konkreten Projekten und Maßnahmen festgemacht, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Themas Nachhaltigkeit – von Energieerzeugung über Ressourcenverbrauch und Mobilität bis hin zur Ernährung – befassen. Rauch: „Unser Ansatz schließt neben der Umwelt auch wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit ein.“ Die Umsetzung erfolgt über den Fachunterricht hinausgehend in Projektarbeiten.

Schulgärten erleben eine Renaissance

„Eine Begleitstudie hat vor Kurzem gezeigt, dass es bei allen Maßnahmen Faktoren gibt, die die Chancen erhöhen, dass ökologisches Denken tatsächlich handlungsbestimmend wird“, erklärt Rauch. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn junge Menschen die Möglichkeit haben, sich selbst aktiv einzubringen – wenn zum Beispiel Schüler mit dem Fußabdruckrechner Verbesserungspotenzial aufzeigen und wenn entsprechende Maßnahmen dann auch umgesetzt werden. „Darüber hinaus können das Vorhaben sein, bei denen es um die Gestaltung des Schulumfeldes, etwa des Innenhofs oder der näheren Umgebung, des Grätzels, geht“, so der Pädagoge. „Generell ist das Engagement größer, wenn man dazu beitragen kann, dass sich etwas verändert.“
Schulgärten erleben derzeit eine Renaissance und bieten die Chance, Biodiversität erfahrbar zu machen. Zudem werden immer mehr Schulen durch Fotovoltaikpaneele auf dem Dach selbst zu Energieerzeugern und bieten damit die Chance, gemeinsam mit Heranwachsenden über Stromerzeugung und -verbrauch zu reflektieren.

Derzeit wollen die Ökolog-Verantwortlichen mit dem Schwerpunktthema Klima Impulse im Kampf gegen die globale Erwärmung setzen. Aktuelle Projekte machen unter anderem bewusst, wie viele Kilometer man mit dem Pkw fahren muss, um denselben CO2-Ausstoß zu verursachen, den die Produktion von einem Kilo Rindfleisch hervorruft. Andere Maßnahmen wiederum versuchen, das städtische Mikroklima durch die Begrünung von Wartehäuschen an den Öffi-Haltestellen zu verbessern. Und seit wenigen Tagen läuft ein Wettbewerb rund ums Wasser: Bei kreativen Aufgaben erfährt man, für welche Produktionsprozesse wie viel Wasser benötigt wird und was man tun kann, um das kostbare Nass zu sparen. „Weltweite Zusammenhänge rücken ebenfalls immer stärker in den Fokus des Interesses“, stellt Rauch fest. Ein Beispiel dafür? Österreichische Schulen beteiligen sich aktuell an einem Wiederaufforstungsprogramm, mit dem man Dürre und Bodenerosion in Kenia entgegenwirken will.
„Manchmal reden die Zukunftsforscher von künftigen Generationen, als gehe es um eine fremde Spezies“, bedauert Rauch. „Bei dem Ökolog-Netzwerk sind es aber die Jugendlichen selbst, die an ihrer eigenen Zukunft mitarbeiten.“ Und das mit großem Eifer, wie der Koordinator den Heranwachsenden zugutehält.

In Zahlen

 

645 österreichische Schulen sind derzeit Partner im Ökolog-Netzwerk. Volksschulen stellen das Gros (216), gefolgt von Mittelschulen (154). 186 teilnehmende Schulen haben ihren Standort in Niederösterreich, 121 sind in der Steiermark.

2000 Einzelprojekte und Initiativen werden pro Jahr von den Ökolog-Schulen durchgeführt. Jede teilnehmende Einrichtung ist verpflichtet, zumindest eine Maßnahme pro Jahr umzusetzen.