Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Minimalismus

Tiny Houses: Clevere Lösungen für kleine Häuser

Mikrohäuser werden oft aus vorgefertigten Holzbauteilen zusammengefügt. Im Bild ein Microhome mit Schraubfundament.
Mikrohäuser werden oft aus vorgefertigten Holzbauteilen zusammengefügt. Im Bild ein Microhome mit Schraubfundament.[ Genböck Haus]
  • Drucken

Mikrohäuser sind ressourcenschonend und flexibel – wer jedoch nur Kosten sparen will, ist hier auf dem falschen Dampfer.

Sich auf das Wesentliche zu reduzieren – diesem Trend folgen hierzulande immer mehr Menschen. Nicht nur in Hinblick auf Bekleidung oder andere alltägliche Dinge, sondern auch auf Häuser. „Das Interesse an Microhomes ist enorm“, sagt Genböck-Haus-Geschäftsführer Helmut Möseneder. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie trotz ihrer Kleinheit den Baustandards eines Einfamilienhauses entsprechen und somit ganzjährig bewohnbar seien, wie Oliver Pesendorfer, Geschäftsführer von McCube, ergänzt.

23 bis 36 Quadratmeter

Eine exakte Definition, was tatsächlich als Tiny House gilt, gibt es übrigens nicht. „Meist versteht man darunter Häuser, die zwischen 23 und 36 Quadratmeter groß sind“, erläutert Pesendorfer. Vor allem Einzelpersonen, manchmal auch Paare, würden sich für Tiny Houses interessieren, erzählt Michaela Maresch, Geschäftsführerin von Commod House. „Aber die meisten bauen dann doch ein wenig größer, die Projekte sind meist zwischen 80 und 100 Quadratmeter groß.“ Die Gründe für den Trend zum Minimalismus seien unterschiedlich: „Viele wollen nicht mehr so viel Grund und Boden oder andere Ressourcen für sich in Anspruch nehmen“, weiß Maresch. Ein anderer sei die dank Vorfertigung kurze Bauzeit: „Für Auf- beziehungsweise Abbau muss man lediglich ein bis zwei Wochen kalkulieren.“ Doch nicht nur die Ressourcenschonung und die kurze Bauzeit sprechen für die aus vorgefertigten Modulen – meist aus Massivholz oder in Holzriegelbauweise – errichteten Kleinhäuser, sondern auch die Flexibilität. „Die Häuser passen sich ideal an Lebensgewohnheiten an. Man kann sie beispielsweise relativ leicht erweitern, wenn ein Kind kommt“, erläutert Pesendorfer.

"Wir schieben das Bett unter die Fußbodenkonstruktion. Weil wegklappen oder abends ein Sofa ausziehen, das macht keiner."

Oliver Pesendorfer, Geschäftsführer von McCube.


Nicht ganz so weit her ist es mit der vielfach gerühmten Mobilität der Häuser – zumindest in Österreich: „Ein Haus auf Rädern wiegt mindestens 3,5 Tonnen, damit darf man hier gerade noch fahren. Aber packt man etwas hinein, wird es schwerer, und man bewegt sich aus dem legalen Bereich hinaus“, betont Pesendorfer. Besteht das Tiny House hingegen aus Bauteilen, können diese auf einen Tieflader geladen und von einem Ort zum anderen transportiert werden. Eine Baugenehmigung und ein Fundament müssen jedoch hier wie dort vorhanden sein. Letzteres muss nicht unbedingt eine klassische Bodenplatte oder ein streifenförmiges Fundament sein, auch ein Schraubfundament tut das Seinige. „Der Vorteil liegt darin, dass man die Schrauben aus dem Boden entfernen kann“, sagt Pesendorfer.

Wichtige Fragen

Von einem Gedanken müssen sich künftige Bauherren aber verabschieden: dass Mikrohäuser eine günstige Alternative sind. Kleine Häuser würden auf den Quadratmeter sogar teurer kommen als größere, betonen die Experten. „Man hat dort schließlich alles, was man auch in einem großen Haus findet, nur weniger Volumen“, erläutert Pesendorfer, der den Quadratmeterpreis für ein kleines bezugsfertiges Haus mit rund 3000 Euro pro Quadratmeter und jenen für ein größeres mit rund 2500 Euro pro Quadratmeter beziffert.


Wer sich mit dem Gedanken an ein Minihaus trägt, der sollte sich vorher jedenfalls Zeit zur Selbstreflexion nehmen. „Eine unserer ersten Fragen ist jene nach Lieblingsstücken und Möbeln, die unbedingt mit müssen“, erzählt Maresch. Sie rät Interessierten weiters dazu zu beobachten, an welchen Plätzen und in welchen Räumen der aktuellen Bleibe sie sich wie oft und lang aufhalten. „Man sollte herausfinden, welche Ecken nie benutzt werden oder was als Stauraum wofür dient“, rät sie. Sind Haustiere vorhanden, sollten deren Bedürfnisse ebenfalls in die Überlegungen miteinbezogen werden. „Wir hatten schon einmal ein Haus, in dem wir einen Abstellraum mit eigener Entlüftung für das Katzenklo gebaut haben.“

"Man sollte herausfinden, welche Ecken nie benutzt werden oder was als Stauraum wofür dient."

Michaela Maresch, Geschäftsführerin von Commod House.


Sind die Ansprüche an das Haus geklärt, geht es an die Planung, wobei im Idealfall die Einrichtung gleich mitgeplant wird. „Bei uns ist das in 90 Prozent der Fälle so“, sagt Maresch. Gerade bei kleineren Häusern würde nämlich eine clevere Lösung Sinn ergeben. Eine solche hat Pesendorfer übrigens für die Betten gefunden: „Wir schieben das Bett unter die Fußbodenkonstruktion. Weil wegklappen oder abends ein Sofa ausziehen, das macht keiner“, erzählt der McCube-Chef. Gemeinsam mit einem US-Architekten arbeitet er an Lösungen, um auch Boiler, Wärmepumpen und Ähnliches darunter zu verbergen.