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Klima & Energie

Fotovoltaik: Ökostrom vom eigenen Dach

Das Thema Fotovoltaik wird künftig immer mehr Häuslbauer beschäftigen.
Das Thema Fotovoltaik wird künftig immer mehr Häuslbauer beschäftigen.[Verbund]
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Für viele Häuslbauer könnte die Installation einer PV-Anlage künftig weniger Kür denn Pflicht werden. Wir haben einige Experten befragt, was man zu dem Thema wissen muss.

Die Steiermark prescht voran. Die Landesregierung hat eine Baugesetznovelle auf den Weg gebracht, die für neue Wohnbauten oder bei einer umfassenden Sanierung ab dem nächsten Jahr verpflichtend die Installation einer Fotovoltaik- oder Solarthermie-Anlage vorsieht. Davon betroffen sind Objekte ab einer Bruttogesamtfläche von 100 Quadratmetern. Was für die einen zur Pflicht wird, kann für andere eine attraktive Option sein, meinen die Experten Andreas Wirth, Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker, Julia Stockklausner, Beraterin bei Photovoltaik Austria, der Energiewirtschaftsexperte Fabian Janisch und Ingun Metelko, Unternehmenssprecherin Verbund.

Die Presse: Eignet sich wirklich jedes Haus für eine PV-Anlage?

Wirth: Das hängt in erster Linie vom Dach ab. Für eine wirtschaftliche Lösung benötigt man zumindest 38 Quadratmeter Fläche, das entspricht 16 Modulen. Ideal dafür ist ein Schrägdach, auf dem man die Solarzellen in Ost-West-Richtung anbringen kann. Und was die Tragfähigkeit betrifft: Ein Modul wiegt etwa 18 Kilo, statisch sollte das in den meisten Fällen kein Problem sein. Im Zweifel sollte man sicherheitshalber aber einen Statiker hinzuziehen.

Was kostet eine solche Anlage?

Stockklausner: Das hängt von der Größe der Anlage ab. Eine durchschnittliche vierköpfige Familie verbraucht rund 4500 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht einer Anlage mit fünf Kilowatt Spitzenleistung (kWp). Eine solche kostet laut Marktstatistik 2020 rund 9000 Euro. Ein Zwei-Personen-Haushalt benötigt weniger Strom, da kommt man mit einer Anlage um etwa 6000 Euro aus. Aber auch größere – und damit kostspieligere – Varianten sind möglich.

Rechnet sich so eine Anlage überhaupt?

Wirth: Jemand, der tagsüber zu Hause ist, verbraucht den Solarstrom dann, wenn er erzeugt wird. Da amortisiert sich die Anlage im Regelfall nach etwa sieben bis acht Jahren. Eine Familie hingegen, deren Mitglieder erst gegen Abend nach Hause kommen und dann Strom verbrauchen, wenn ihre Anlage wenig produziert – der Strom muss daher aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden –, hat die Kosten meist nach zehn bis elf Jahren herinnen. Sie hat aber die Möglichkeit, Elektrogeräte über die Timer-Funktion, sofern vorhanden, auch in Abwesenheit in Betrieb zu nehmen – und damit Kosten zu sparen.

Welche Anlagen gibt es?

Janisch: Die meisten Elektriker bieten die Modelle eines bestimmten Erzeugers oder weniger ausgewählter Hersteller an. Insgesamt sind in Österreich rund zehn Modelle für Eigenheime gängig. Die technischen Unterschiede sind gering, und in der Regel erfüllen alle etablierten Hersteller die Qualitätsanforderungen.

Muss ich meine Anlage genehmigen lassen?

Wirth: Anlagen bis zu einer Spitzenleistung von zehn Kilowatt sind, wie jede bauliche Änderung, bei der Gemeinde meldepflichtig. Jene mit einer größeren Spitzenleistung benötigen darüber hinaus eine behördliche Genehmigung. Private Anlagen fallen meist in die erste Kategorie.

An wen wende ich mich für den Einbau einer PV-Anlage?

Janisch: Am besten wählt man einen Fachbetrieb, der Expertise bei der Installation von Fotovoltaik nachweisen kann. Viele Unternehmen bieten an, auch die Förderabwicklung zu erledigen. Da ist zu überlegen, ob man diese Zusatzleistung in Anspruch nehmen will. Geeignete Betriebe findet man über das Internet, oder man erkundigt sich beim Elektriker, der im Haus bereits Installationen vorgenommen hat. In jedem Fall ist die Anlage von einem konzessionierten Elektriker ans Netz anzuschließen.
Metelko: Manche Energieunternehmen wie der Verbund wickeln auf Wunsch die komplette Abwicklung von der Planung bis zur Inbetriebnahme – zum Beispiel über Partnerunternehmen – ab und bieten dem Hausbesitzer inzwischen überdies an, dass dieser die Anlage mietet, statt sie zu kaufen.

Kann ich mitverfolgen, wie viel Strom meine Anlage erzeugt?

Wirth: Der über die Solarmodule gewonnene Gleichstrom wird mit einem Wechselrichter in Wechselstrom für den Verbrauch umgewandelt. Die Aktivität des Wechselrichters kann man über eine App am Handy beobachten. Hat man gleichzeitig einen Smart Meter, kann man sowohl die Produktion als auch den Verbrauch überwachen. Dabei lernt man rasch, wie man den Verbrauch am besten steuert, sodass man die gewonnene Energie ideal nutzt.

Was mache ich mit dem überschüssigen Strom?

Janisch: Am günstigsten ist es immer, den selbst produzierten Strom auch selbst zu verbrauchen. Überschüssigen Strom ins Netz zu speisen ist meist ein Verlustgeschäft, da man dafür wenig Geld bekommt und der Strom aus dem Netz teurer ist. Am effektivsten nutzt man den Sonnenstrom, wenn man zuzeiten hoher Produktion die großen Verbraucher laufen lässt, etwa die Wärmepumpe oder die Elektroheizung, oder man lädt das Elektroauto auf. Ohne besondere Maßnahmen verbraucht der durchschnittliche Anlagenbesitzer etwa ein Drittel seines Solarstroms selbst. Mit einem Speicher, der bei Sonnenschein geladen wird und dessen gespeicherte Energie man abends verbraucht, lässt sich dieser Wert steigern.

Wirth: Im Burgenland gibt es zudem das „Sonnenkonto“, einen virtuellen Speicher, der es erlaubt, den eigenen Strom zu nutzen.

Förderungen

Der Klima- und Energiefonds unterstützt die Errichtung von privaten PV-Anlagen mit einem Investitionskostenzuschuss von 250 Euro pro kWp. Auf der Internetseite des Fonds unter www.klimafonds.gv.at gibt es dafür einen Leitfaden sowie ein Formular.

Abgewickelt werden die Förderungen von der Kommunalkredit Public Consulting, die Fragen und Anträge über eine Hotline entgegennimmt: +43/(0)1/316 317 30.

Daneben gibt es auch finanzielle Unterstützungen durch die einzelnen Bundesländer, über die man sich bei den jeweiligen Förderstellen informieren kann.

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