16 Tage lang ist ab heute, Samstag, Christos Vermächtnis in Paris zu erleben: Der in 25.000 Quadratmeter silberblaues Plastik und in strengen Faltenwurf gepackte Arc de Triomphe hat wenig mit dem Zauber früherer Projekte zu tun.
Wie direkt und ungezähmt das 1962 noch ausgesehen hat: In ein nächtliches Foto der Champs-Élysées hatte der 27-jährige Künstler die Großaufnahme eines seiner grob verschnürten, klobigen Pakete montiert, die er damals schon anfertigte. Dieses kleine, aber mächtige Bild gilt als erste Skizze von Christos Idee, den Arc de Triomphe zu verhüllen. Er hatte ihn damals schließlich auch täglich vor Augen; das Dachfenster des Dienstmädchenzimmers, in dem der aus Bulgarien geflohene junge Mann nach Stationen in Prag und an der Wiener Kunstakademie untergekommen war, ging hinaus auf den Place Charles de Gaulle, auf dieses von Napoleon beauftrage Denkmal für den unbekannten Soldaten.
Knapp 60 Jahre später, anlässlich seiner großen Retrospektive im Centre Pompidou, seine Partnerin Jeanne war schon lang gestorben, rückte dieser „verrückte Traum“ für den wohl berühmtesten damals noch lebenden Künstler plötzlich in realisierbare Nähe. 2020 war das. Dann kam Corona. Dann starb Christo mit 84 Jahren in New York. Heute, Samstag, wird sein Vermächtnis, die erste von seinem ehemaligen Team posthum verwirklichte Installation, für fertig erklärt. 16 Tage lang wird dieser Zustand erhalten bleiben, dann werden die 25.000 Quadratmeter silberblauen, erneuerbaren Kunststoffs sowie die 3000 Meter roter Seile wieder eingerollt. Sieben Monate haben acht Näherinnen im deutschen Lübeck daran genäht, 14 Millionen Euro hat das gesamte Projekt gekostet, finanziert wie immer bei Christo vom Verkauf von Zeichnungen und Souvenirs, nur kein Sponsoring.