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Analyse

Oxfam: Industrieländer zahlen zu wenig Klimahilfen an ärmere Länder

Archivbild einer Eis-Skulptur der Kampagne WaterAid in London, die am 15. September auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels in der Welt aufmerksam machte.
Archivbild einer Eis-Skulptur der Kampagne WaterAid in London, die am 15. September auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels in der Welt aufmerksam machte.REUTERS
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Das Versprechen von 100 Milliarden Dollar pro Jahr wird deutlich verfehlt, beklagt die Hilfsorganisation. Dabei seien die Verluste durch die Klimakrise höher als jene durch die Pandemie.

Laut einer aktuellen Analyse der Hilfsorganisation Oxfam verfehlen die Industrieländer ihr Versprechen, einkommensschwachen Ländern bis 2025 mit jährlich 100 Milliarden US-Dollar im Kampf gegen die Klimakrise zu helfen. Über den Zeitraum 2020 bis 2025 fehlen den Empfängerländern demnach zwischen 68 und 75 Milliarden Dollar an Unterstützung. Selbst im letzten Jahr der Laufzeit wird der angestrebte Betrag laut Oxfam nicht ohne weitere Anstrengungen erreicht werden können.

Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation veröffentlichte die aktuellen Zahlen anlässlich der informellen Klimagespräche von Staats- und Regierungschefs im Rahmen der UNO-Generalversammlung am Montag. Oxfam fordert deutlich mehr Anstrengungen, um das Versprechen zu erfüllen, das 2009 erstmals formuliert und auf dem Pariser Klimagipfel 2015 um weitere fünf Jahre bis 2025 ausgedehnt wurde.

Johnson pessimistisch: „Kollektiv versagt"

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nur wenig Hoffnungen auf die zugesagten Klimahilfen von 100 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Die Chancen stünden bei "sechs aus zehn", dass die Staatengemeinschaft das ursprünglich verabredete Ziel einhalte, sagte Johnson in der Nacht zum Montag auf dem Weg zur UN-Generalversammlung in New York. "Es wird schwierig, aber die Leute müssen verstehen, dass es von entscheidender Bedeutung für die Welt ist", sagte Johnson. London hatte zuletzt betont, die Staaten hätten bei der Klimafinanzierung "kollektiv versagt".

Die Klimafinanzierung sei "einer der Hauptpfeiler des Pariser Abkommens und von entscheidender Bedeutung, um die Klimakrise zu bewältigen", heißt es von Oxfam. Viele der Empfängerländer seien auf die Unterstützung angewiesen, um besser gegen Klimaveränderungen gerüstet zu sein. 2020 war weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, fast 100 Millionen Menschen waren von klimabedingten Katastrophen betroffen, betont Oxfam und verweist auf eine Studie der Monash University, wonach mehr als fünf Millionen zusätzliche Todesfälle pro Jahr auf anormale hohe und niedrige Temperaturen zurückgeführt werden können.

Jährliche Anpassungskosten steigen massiv

"Die wohlhabenden Länder müssen ihr zwölf Jahre altes Versprechen endlich einlösen", fordert Jan Kowalzig, Klimaexperte bei Oxfam. Deshalb wurden nun Deutschland und Kanada beauftragt, neue Geber-Zusagen einzuholen und einen Fahrplan zu erarbeiten, wie sich das 100-Milliarden-Ziel noch erreichen lässt. Nach Angaben des UNO-Umweltprogramms werden sich die jährlichen Anpassungskosten in den Entwicklungsländern bis 2030 voraussichtlich auf 140 bis 300 Milliarden Dollar und bis 2050 auf 280 bis 500 Milliarden Dollar belaufen.

Zusätzlich warnt Oxfam, dass die Klimakrise wirtschaftliche Verluste verursachen könnte, die doppelt so hoch sind wie die der Corona-Pandemie. Die Ausgaben dafür stünden jedoch in einer ganz anderen Relation zueinander: Im Jahr 2020 gaben die EU, das Vereinigte Königreich, die USA, Kanada, Australien und Japan laut Oxfam mehr als 14 Billionen Dollar für COVID-19-Konjunkturpakete aus. Das entspreche dem 143-fachen des Klimafinanzierungsziels.