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Mitreden: Lässt der Handel den Bauern zu wenig übrig?

„Erpresserische Zustände im Handel“ sieht Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, die Bauern kritisieren „unfaire Praktiken“. Der Handel sieht dagegen „einseitige Darstellungen". Und was können eigentlich wir Konsumenten tun? Diskutieren Sie mit!

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) legt sich mit den großen Handelsketten an - sie wählt ungewöhnlich scharfe Worte: Die Bauern hätten keine Chance gegen die Übermacht von Rewe, Spar und Hofer, sagte sie im „Profil“. „Das sind zum Teil erpresserische Zustände. Wer sich wehrt, wird ausgelistet. Das ist kein fairer Wettbewerb, das sind unfaire Praktiken.“ Weiter sagt Köstinger: „Steigen die Preise für Konsumenten, schöpft der Handel diese Marge ab und gibt sie nicht an die Bauern weiter. Zahlen die Konsumenten weniger, trägt das nicht der Handel, sondern der Bauer bekommt entsprechend weniger.“

Wie zu erwarten sahen sich Landwirtschaftsvertreter bestätigt, der Handel reagierte dagegen empört. Christian Prauchner, Obmann des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer, kritisierte Köstingers „einseitige Darstellungen“, mit denen sie bei ihrer Klientel punkten wolle. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will fordert eine Mediationsstelle, Billa lädt unterdessen die Ministerin zum Gespräch ein, man wolle Missverständnisse ausräumen. Darüber zeigte sich wiederum Köstinger erbost.

Dass es Streit zwischen Handel und Bauern gibt, ist nichts Neues, und die Coronakrise trug nicht zur Entschärfung bei. Während der Lebensmittelhandel nämlich durchgehend offen hatte und 2020 große Gewinne verbuchte, blieben viele Bauern bei extrem geringen Margen auf ihren Kosten sitzen. Sie wollen auch ein Stück vom Kuchen und sehen sich - obwohl die Bedeutung regionaler Produkte steigt - als Verlierer.

Spar-Chef Fritz Poppmeier sagte dazu unlängst im Interview mit David Freudenthaler, man könne nicht die Konsumenten die strukturellen Versäumnisse in der Landwirtschaft zahlen lassen. Angesprochen auf konkrete Forderungen der Milchbauern meinte er: „Wir als Handel sind daher ständig aufgefordert, Überpreis zu zahlen und stehen gleichzeitig im Preiskampf mit dem günstigeren deutschen Markt."

Fakt ist aber auch: Das Leben in der Landwirtschaft zu bewerkstelligen schaffen immer weniger Bauern in Österreich, und das trotz hoher Agrarsubventionen. Das schreibt Teresa Wirth, die im Vorjahr mehrere Bauern besuchte und über ihren Arbeitsalltag berichtete. Ein Landwirt macht in der Reportage seinem Ärger Luft: „Die Preise werden von Konzernen festgelegt. Als Bauer habe ich keine Möglichkeit mehr, zu handeln, sonst bleib ich darauf sitzen.“ Die Intensivlandwirtschaft, die Massentierhaltung mache die Landwirtschaft kaputt, ist er überzeugt. Für das letzte Biokalb, das er verkauft habe, habe er 120 Euro bekommen. „Für ein Playmobil-Plastikspielzeug zahl' ich genauso viel. Das ist ja traurig.“

Podcast zum Thema

Beim Kuh-Urteil waren sich Bergbauer Christian Bachler und „Falter"-Chefredakteur Florian Klenk nicht einig, beim Klimaschutz schon. Landwirtschaftsministerin Köstinger (ÖVP) und die Beamten haben sie zum Brückenbauen zwischen Stadt und Land eingeladen. Aber die wollte nicht.

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(sk)

Diskutieren Sie mit: Lebensmittel sind wertvoll. Doch bei der Produktion und im Verkauf läuft noch längst nicht alles reibungslos. Wie kann der Gesetzgeber die Situation der Bauern verbessern? Was können Landwirte selbst tun, was der Handel, was die Konsumenten? Und: Welche Rolle spielen die Subventionen? Diskutieren Sie mit!