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Australien schlägt Austria

Städte­rankings gibt es einige, und nicht in allen belegt Wien die ­Spitzenposition. Die Pandemie hat alte Platzierungen durcheinandergewürfelt.
Städte­rankings gibt es einige, und nicht in allen belegt Wien die ­Spitzenposition. Die Pandemie hat alte Platzierungen durcheinandergewürfelt.Clemens Fabry
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Wien ist nicht mehr die lebenswerteste Stadt. Wieso eigentlich?

Die jährliche Umfrage zur lebenswertesten Stadt der Welt, die in Wien jährlich für geschmeicheltes Selbstbewusstsein sorgt, ging online. Die „Economist Intelligence Unit“ erstellt dieses Global-Survey-Ranking für 140  Weltstädte und war unserer halberten Weltstadt meist wohlgesonnen. Es bewertet Gesundheitssystem, Kultur, Bildung, soziale Sicherheit, Kriminalitätsrate. 2018 hatte Wien den Seriensieger Melbourne von der Spitze verdrängt und war auch 2019 ganz oben gestanden.

Jetzt das Desaster, Platz 12! Coronapolitik wirbelte die Liste durcheinander. Australische, japanische und neuseeländische Städte führen sie an, Auckland gewinnt vor Osaka, Adelaide, Wellington und Tokio. Zürich als 7. und Genf als 8. halten sich als einzige europäische Städte in den Top Ten. Schlimmer als Wien erwischte es den deutschen Nachbarn, Frankfurt ist nur mehr auf Platz 39 (Absturz um 29 Ränge), Hamburg auf 47 (um 34), Düsseldorf auf 50 (um 28).
Auch die kanadischen Städte schwächeln sehr. Der Aufsteiger des Jahres kommt aus Hawaii, Honolulu stieg um 46 Ränge auf 14. Schlusslicht im Ranking ist weiterhin Damaskus.

Was macht Wien unlebenswerter als vergangenes Jahr? Nicht nur die erschreckend niedrige Impfrate. Trotz der Pandemie halten Spitäler an ihren rigiden Sparplänen fest, das Gesundheitssystem platzt aus allen Nähten, Ärztinnen und Ärzte warnen seit Jahren davor. Auch denke ich mit Abscheu an den freigelassenen Investoren-Kettenhund, der allerorts Gründerzeit- und Biedermeier­häuser ohne Denkmalschutz niederreißt  – ein kleines, aussagekräftiges ­Beispiel wäre das hübsche „blaue Haus“ neben dem Westbahnhof: ersetzt durch einen unnötigen Stadt-Ikea. Das Vordringen von Weltkonzernen und Supermarkt­ketten bei gleichzeitiger Preisgabe kleiner Läden, die anderswo, etwa in Paris, unter Schutz stehen, gehört zu den deprimierendsten Politikauswüchsen. Und sobald die Politik einmal etwas Sinnvolles und Erfreuliches für die Allgemeinheit auf die Beine stellt, nehmen wir den viel gescholtenen, originellen und kostengünstigen Gürtelpool im Jahr 2020, hagelt es von allen Seiten Hohn.