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Blick vom Neustadtl in Niederösterreich auf das Donautal und den Kollmitzberg
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Wandern

Strudengau: Berg am Strome

Keine Strudel, dafür viel Geschichte und aussichtsreiche Wanderungen bietet der Strudengau zwischen Mühl- und Mostviertel.

Wer den Strudengau verstehen will, muss mit seinem Ende beginnen – sowohl geografisch als auch zeitlich: Als nämlich die Donau 1957 durch das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug aufgestaut wurde, war endgültig Schluss mit den vielen Strudeln, von denen der gefährlichste Abschnitt des Stromes seinen Namen bekommen hatte. Der Rückstau hob den Wasserspiegel um etwa fünf Meter an und verleiht dem einst reißenden Gewässer seither die Optik eines Badesees. Bei einer Führung durch das älteste österreichische Donaukraftwerk kommen sowohl Technikbegeisterte als auch Vintagefreunde auf ihre Kosten: Hier wird nicht nur viel gut aufbereitetes Fachwissen über die Wasserkraft im Allgemeinen und die Donau im Besonderen geboten, auch der Enthusiasmus und der Chic der Wiederaufbaujahre sind auf Schritt und Tritt spürbar. Neben archivierten Fernseh- und Radiosendungen aus den beginnenden Wirtschaftswunderjahren sorgen dafür heute wieder schwer angesagte Tapeten und Möbelstücke sowie hoffnungslos veraltete Werbeplakate: „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“.

Lebensgefahr

Als die Moderne solcherart ins Donautal einzog, war es dort mit der alten Romantik längst vorbei: Nachdem einst sogar Maria Theresia im Strudengau beinahe gekentert wäre, begann man mit der Sprengung der zahlreichen, meist von Burgen gekrönten Inseln und Felsen im Flussbett. Sie boten zwar einen wildromantischen Anblick, waren aber hauptverantwortlich für die gefährlichen Strömungen. Noch 1815 beschrieb Joseph von Eichendorff in seinem Roman „Ahnung und Gegenwart“ fasziniert einen mächtigen Strudel als „Auge des Todes“, das „alles Leben in seinen unergründlichen Schlund hinabzieht“.
Eine leise Ahnung von der Lebensgefahr, die von der heute so gemächlich sich dahinstauenden Donau ausging, bekommt man am ehesten ein paar Kilometer flussaufwärts, knapp nach der oberösterreichischen Grenze.