Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Start-ups

Junge Ideen für Alteingesessene

Logistik
Smarte Start-up-Technologie hilft bei der Überwindung von Sprachbarrieren in der Einarbeitung.(c) Getty Images/ iStockphoto
  • Drucken

In der Logistikbranche werden zunehmend die Vorteile von Kooperationen mit Gründern erkannt. An gemeinsamen Zukunftsthemen herrscht kein Mangel.

Die Zeiten, in denen die große Mehrheit der etablierten Unternehmen Start-ups weitgehend ignorierte, scheinen nun auch in der Logistikbranche passé zu sein. Kein Wunder in Anbetracht des Booms an innovativen Gründern und der breiten Palette an digitalen Technologien, die von Jungunternehmern dankbar aufgenommen wird. Ob autonome Lieferroboter und Drohnen, künstliche Intelligenz zur optimalen Routenplanung oder die Blockchain für eine lückenlose Dokumentation der Supply Chain – Start-ups haben in diesen Bereichen häufig die Nase vorn.

Eines jener Unternehmen, die dieses Know-how direkt anzapfen möchten, ist DB Schenker. Der international agierende Logistiker hat zu diesem Zweck vor Kurzem Schenker Ventures gegründet. Das Ziel der neuen Einheit: die Entwicklung und Gestaltung neuer Geschäftsmodelle voranzutreiben, die auf digitale, technologiegetriebene sowie nachhaltigkeitsorientierte Logistikkonzepte ausgerichtet sind. Gründer und Start-ups sollen dabei mit Kapital, Fachwissen zu Lieferketten, logistischer Infrastruktur und Kontakten zu Kunden weltweit unterstützt werden. Die neue Einheit soll zwar mit DB Schenker verzahnt, jedoch bewusst nicht im Unternehmen selbst verortet werden.

 

Ideen brauchen Freiheit

Patric Hoffmann, Leiter von Schenker Ventures, erläutert den dahinterliegenden Gedanken so: „Gründer müssen die Kontrolle über ihr Unternehmen behalten. Wir wollen eine Umgebung schaffen, in der sie Eigentümer bleiben und ihren vollen strategischen Gestaltungsspielraum ausschöpfen.“ Um unternehmerische Freiheiten und die Stärke eines etablierten globalen Partners zu kombinieren, wird Schenker Ventures zudem gemeinsam mit der Berliner Agentur MVP Factory ein Venture Studio schaffen – mit dem Ziel, einen neuen Weg für die Gründung von Logistikunternehmen zu beschreiten. Dazu Philipp Petrescu, CEO von MVP Factory: „Der Aufbau eines Unternehmens ist keine leichte Aufgabe. Gemeinsam mit den Gründungsteams setzen wir unsere Kompetenz aus der Produktentwicklung ein, um Ideen schnell zu validieren, Prototypen zu entwickeln und erste zahlende Kunden zu finden.“

 

Digitaler Trainer

Welche Vorteile sich aus solchen Kooperationen ergeben können, zeigt die Zusammenarbeit des deutschen Kontraktlogistikdienstleisters Bohnen Logistik mit dem Start-up How.fm. Die Kölner Jung-Entrepreneure bieten einen digitalen Trainer für die mehrsprachige Einarbeitung und Unterstützung von Mitarbeitern, Auszubildenden und Zeitarbeitern in der Logistik an. Arbeiter werden mobil über interaktive Lernvideos Schritt für Schritt durch betriebliche Regeln und Arbeitsprozesse geführt – via Sprachinteraktion auch begleitend bei der Arbeit. Der Clou: Die Plattform übersetzt Trainingsinhalte automatisch in die Muttersprache der Arbeiter. Rund 20 Sprachen sind laut How.fm bereits verfügbar, weitere sollen folgen. Bei Bohnen Logistik verspricht man sich dadurch eine wertvolle Hilfe bei der zunehmend schwierigen Suche nach Fachkräften. „Mitarbeiter kommen aus vielen Ländern, die Sprachbarriere bei Schulungen und in der praktischen Unterstützung war oft ein Problem“, erzählt Volker Grzybowski, Geschäftsführer der Bohnen Logistik. Mit der neuen Techniklösung sollen das Wissensmanagement und die interkulturelle Zusammenarbeit im Unternehmen gefördert werden.

 

Win-win-Situation

„Es gibt einen spürbaren Innovationsbedarf, wenn es um die Reduzierung von Emissionen und die Digitalisierung der Lieferketten geht. Genau hier können Start-ups den etablierten Unternehmen unter die Arme greifen“, sagt Peter Trapp, Managing Director der Duisburger Innovationsplattform Startport, eines Tochterunternehmens des Duisburger Hafens, das 2020 einen Bewerbungsrekord für sein Start-up-Programm verzeichnen konnte. Dass es den kreativen Gründern nach ersten Erfolgen zumeist an Kapital und Markt-Know-how fehlt, um den nächsten Wachstumsschritt zu gehen, ist wie ein Appell an die Etablierten, die offensichtliche Win-win-Chance aufzugreifen. Diesen Appell wollen auch Österreichs Logistiker nicht mehr überhören, wie beispielhaft die Kooperation zwischen dem KEP-Dienstleister DPD Austria und dem auf innerstädtische Lagerflächen spezialisierten Start-up Storebox zeigt. Das gemeinsame Betätigungsfeld ist vielversprechender Natur. „Der Bedarf an Lösungen im Bereich City-Logistik und das damit verbundene Paketaufkommen steigt weiterhin massiv an. Innovative Lösungen spielen vor allem auf der letzten Meile eine wichtige Rolle“, betont Storebox-Geschäftsführer Johannes Braith.

START-UPS AUF EINEN BLICK

Der „Austrian Retail Start-up Report“ bildet erstmals das gesamte österreichische Retail-Start-up-Ökosystem mit den Top 90 Start-ups in den fünf Fokusbereichen Retail, E-Commerce, Logistics, Payment und Security ab. Der vom Handelsverband und Trending Topics herausgegebene Report versteht sich als Bindeglied zwischen innovationsgetriebenen Händlern und all jenen Start-ups, die mit ihren Ideen und Lösungen der heimischen Handelsbranche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Der Report kann kostenlos unter dem folgenden Link heruntergeladen werden: www.retailstartupreport.trendingtopics.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2021)