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Morgenglosse

Applaus für Joe Biden

Joe Biden
Joe Biden beim virtuellen Corona-Gipfel.APA/AFP/GETTY IMAGES/ALEX WONG
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Viel zu lange waren die Industriestaaten beim Thema Impfstoff-Spenden zu zögerlich. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert.

Mit seinem virtuellen Corona-Gipfel am Rande der UN-Generalversammlung hat Joe Biden die Führung im Kampf gegen die Pandemie übernommen. Die Industrienationen hat der US-Präsident dabei dazu aufgerufen, großzügig Impfstoff an ärmere Länder zu spenden. Mit 500 Millionen Dosen zusätzlich haben die USA auch ihre eigene Impf-Spende verdoppelt. Gut so. Endlich tut sich da einmal etwas.

Man kann Biden vorwerfen, die Initiative viel zu spät ergriffen zu haben. Anderthalb Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie ist die Mehrheit der westlichen Bevölkerung inzwischen geimpft. Dosen sind ausreichend vorhanden. Nun ist es leicht, Impfstoff zu teilen. Vor einem halben Jahr sah das noch anders aus. Auch den USA ist lange vorgeworfen worden, Vakzine für die eigene Bevölkerung zu horten.

Dennoch verdient Biden für seine Initiative Applaus. Er hat Recht, wenn er sagt, dass die Pandemie nur besiegt werden kann, wenn sie überall besiegt wird. Viel zu lange waren die Industriestaaten beim Thema Impfstoff-Spenden zu zögerlich – trotz vollmundiger Versprechen. Die Covax-Impfinitiative stand schon kurz vor dem Scheitern. Auch ihr haucht Biden mit seinem Vormarsch neues Leben ein.

Dass bei uns über Auffrischungsimpfungen diskutiert wird, während Teile des globalen Südens noch gar keinen Zugang zu Impfstoffen haben, ist erbärmlich. Und es zeugt von einer völligen Fehleinschätzung, wenn zum Beispiel der britische Premier Boris Johnson erklärt, dass er den Drittimpfungen für Briten Vorrang vor Impf-Spenden an ärmere Staaten einräumen wolle. Da macht er die Rechnung ohne des Virus, das fröhlich weiter mutiert und in verbesserter Form seinen Weg zurück nach Europa finden wird.

Die WHO schätzt, dass man elf Milliarden Impfdosen braucht, um die Pandemie weltweit zu beenden. Biden hat dazu einen wichtigen Schritt gemacht. Jetzt müssen ihm so viele Staaten wie möglich folgen – und zwar schnell.