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Metalltechnische Industrie

Metaller-Lohnrunde: Gewerkschaft will 4,5 Prozent, für Arbeitgeber "unverantwortlich"

SUJET/ SBO / Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG
Die Gewerkschaft will eine kräftige Reallohnerhöhung für die 134.000 Beschäftigten der metalltechnischen Industrie.PEROUTKA Guenther / WB
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Die Arbeitnehmer müssten von der „außergewöhnlich guten Lage“ der Industrie ihren Teil abbekommen, so die Gewerkschaft. Aus Sicht der Arbeitgebervertreter ist die Forderung „vollkommen überzogen und unverantwortlich."

Die freundliche Stimmung hielt nicht lange, als am Donnerstag die Vertreter der Arbeitnehmer der metalltechnischen Industrie in der Zentrale der Wirtschaftskammer ihre Forderungen für die diesjährige Lohnrunde übergaben. Gab es vor Beginn des Treffens noch lockere Scherze zwischen Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Dürtscher (GPA) auf der einen sowie Christian Knill (WKO) auf der anderen Seite, griff letzterer nach der einstündigen Forderungsübergabe zu scharfen Worten. „Die Forderung ist vollkommen überzogen und unverantwortlich“, so Knill.

Grund für die Verärgerung bei den Arbeitgebern ist die Forderung einer Lohnerhöhung um 4,5 Prozent. Begründet wurde diese von den Gewerkschaftsvertretern mit der „außergewöhnlich guten Lage der Industrie“. „Es gibt ein kräftiges Wachstum und volle Auftragsbücher. Die Unternehmen verdienen gutes Geld“, so Wimmer. Die Arbeitnehmer müssten davon ihren Anteil bekommen. Vor allem angesichts der aktuell hohen Inflation von 3,2 Prozent.

Gewerkschaft: Keine Gefahr für Lohn-Preis-Spirale

Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale, vor der von manchen Ökonomen gewarnt wird, sieht Wimmer nicht. „Das trifft bei einem Produktivitätswachstum von 3,3 Prozent einfach nicht zu.“ Im Gegenteil sei die Gewerkschaft von den Ökonomen aufgrund der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre richtiggehend aufgefordert worden, heuer eine kräftigere Forderung aufzustellen. 2020 hatten sich die Verhandler aufgrund der Coronakrise ja binnen Stunden - statt vieler Wochen - auf die Abgeltung der Inflation von 1,45 Prozent geeinigt. Mitten im stärksten Wirtschaftseinbruch seit Kriegsende hatte die Gewerkschaft "große Verantwortung" walten lassen, hieß es damals.

„Die Arbeitgeberseite hat sich redlich bemüht nach Gründen zu suchen, warum es nicht möglich ist“, meint auch Dürtscher zur ersten Reaktion und den Aussagen der vergangenen Wochen der Wirtschaftsvertreter. Das Rennen um die besten Köpfe werde man allerdings nicht mit Lohndumping schaffen. 

Arbeitgeber: Forderung bedroht Arbeitsplätze

Für die Arbeitgeberseite dennoch kein Grund für die heurige Forderung. „Wir haben erst vor einigen Monaten die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten gehabt. Die Branche hatte ein Minus von elf Prozent.Wir sind am Aufholen aber noch nicht so weit“, so Knill. Die Forderung der Gewerkschaft sei eine „Zumutung“ für die Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen, aber auch für die Mitarbeiter, weil dadurch deren Arbeitsplätze gefährdet würden. „Man kann nicht gleich nach schwerer Krankheit einen Marathon laufen."

Überrascht sei er jedoch nicht gewesen, dass die Gewerkschaft heuer deutlich mehr verlangt habe. Denn dass es heuer deutlich mehr als im Vorjahr werden würde, war im Vorfeld allgemein erwartet worden. Allerdings verweist Knill darauf, dass es hierzulande - anders als etwa in Deutschland - im Vorjahr keine Nulllohnrunde gegeben habe. Zudem würde der aktuelle Materialmangel zu Preissteigerungen und Produktionsverzögerungen führen, deren Kosten man an die eigenen Kunden nicht weitergeben könne.

Kräftiger Aufschwung oder nur Erholung?

Die Arbeitnehmervertreter sehen dennoch die ökonomischen Daten auf ihrer Seite. Vier Prozent Wachstum heuer und fünf Prozent nächstes Jahr prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) Die Jahresinflationsrate der vergangenen zwölf Monate, die neben dem Produktivitätszuwachs die Verhandlungsbasis für bildet, lag bei 1,89 Prozent. Aktuell beträgt die Teuerungsrate jedoch sogar 3,2 Prozent. Es sei nun Zeit für einen „kräftigen Reallohnzuwachs“ für die 134.000 Beschäftigten der Branche, so dar Argument der Gewerkschaft.

Ebenfalls wichtig seien die sogenannten Nebenthemen bei der Lohnrunde, so Wimmer weiter. Dabei gehe es etwa um höhere Zulagen für Schichtarbeiter. Diese seien nicht mehr zeitgemäß, weshalb es auch in immer mehr Betrieben das Probleme gebe, Leute zu finden, die bereit sind Schichtarbeit zu leisten. Für Knill ist dies aber weniger ein Problem der Bezahlung als der grundsätzlichen Work-Life-Balance, die vor allem jüngere Arbeitnehmer haben wollen.

Es dürfte also jedenfalls eine lange und härtere Lohnrunde werden als in den vergangenen Jahren. Mit dem 29. September, 11./12. Oktober und 21./22. Oktober sind drei Verhandlungsrunden vor den Herbstferien bereits fixiert. Ob sie reichen werden, ist allerdings offen.