Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Die Bilanz

Ein Milliardengrab in den Bergen

Johann Groder / EXPA / picturede
  • Drucken
  • Kommentieren

Die Kostenschätzungen für den Brenner-Basistunnel gehen ungebremst nach oben. Sinnvoller wird er dadurch trotzdem nicht. Ein teures Mahnmal für verfehlte EU-Eisenbahnpolitik.

Es gibt dafür nur ein Wort: Desaster. Der Brenner-Basistunnel (BBT), der nach den ursprünglichen Plänen 4,5 Mrd. Euro kosten und 2016 fertig werden sollte, steht bei den Kostenschätzungen nach der vorige Woche bekannt gewordenen Revision jetzt bei 9,5 Milliarden und einem Fertigstellungstermin 2032. Allein in den letzten vier Jahren ist das Bauwerk um fast eine halbe Milliarde Euro teurer geworden und der Fertigstellungstermin musste um mehrere Jahre nach hinten geschoben werden. Wenn das Bauwerk irgendwann Mitte kommenden Jahrzehnts fertig werden sollte, werden die Kosten dann (inklusive der in diesen Zahlen ja gar nicht enthaltenen Finanzierungskosten) wohl näher bei 20 als bei 10 Milliarden liegen.

Und es wird trotzdem ein immer noch weitgehend sinnloses Bauwerk sein. Denn die Zulaufstrecken in Deutschland, die für die Kapazitätsauslastung gebraucht werden, sind noch nicht einmal richtig geplant und werden wohl frühestens gegen 2050, wenn überhaupt, fertig. Dagegen war ja der desaströse Bau des Berliner Hauptstadtflughafens BER ein Beispiel von geradezu atemberaubender Planungs- und Umsetzungseffizienz.

Das Allerschlimmste: Selbst wenn die Zulaufstrecken fertig sind, wird das Milliardengrab an der italienischen Grenze seine vorgebliche Funktion, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, nicht erfüllen können. Das Problem der europäischen Eisenbahnen ist nämlich weniger die – natürlich auch in vielen Punkten verbesserungswürdige – Schieneninfrastruktur. Sondern vielmehr die Organisation: Es gibt kein europäisches Eisenbahnsystem und die Staatsbahnen und ihre ministeriellen Eigentümervertreter achten penibel darauf, dass das auch so bleibt.