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Der ORF sucht Quote mit den „Helden von morgen“

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Neue Hülle, altes Konzept: Der ORF versucht es wieder mit einer Castingshow. Das Konzept ist hausgemacht, aber im Grunde ist kein Element der Sendung besonders innovativ. "Rückkehrerin" Doris Golpashin moderiert.

Offenbar ist sie nicht umzubringen, die Castingshow. Nicht nur in Österreich und Deutschland, in ganz Europa und den USA setzen TV-Sender, private wie öffentlich-rechtliche, weiterhin eifrig auf dieses Showkonzept. Eines, das, kurz gesagt, dem Zuseher suggeriert, er könne entscheiden, welcher Kandidat der beste, größte, attraktivste – und schließlich: der Sieger – ist. Der ORF startet am Freitag (20.15 Uhr), mit „Helden von morgen“ ein neues Castingformat, das vor allem eines bringen soll: möglichst viel Quote.

Die Sendung ist eine „genuine ORF-Show“, wie Wolfgang Lorenz, Programmdirektor am Küniglberg, es nennt. Soll heißen: Das Konzept ist hausgemacht. Aber ist es deswegen wirklich neu? Jein. Im Grunde ist kein Element der Sendung besonders innovativ, nur die Kombination: 14 Kandidaten zwischen 15 und 27 Jahren, die aus über 2000 Bewerbern ermittelt wurden, müssen in zwölf Freitagabendshows (bis 28. Jänner) mit einstudierten Songs ihr Können beweisen, jede Woche verlässt einer die Show. Die zukünftigen Stars werden von bekannten Musikern, wie Rainhard Fendrich oder dem deutschen Rapper Sido, gecoacht. Der ORF lässt sich das alles fünf Millionen Euro kosten, ein Team von 80 Leuten arbeitet an der Sendung.

Anders als bei der Vorgängersendung „Starmania“, die vier Mal im ORF zu sehen war, haben alle Teilnehmer bereits eine bestimmte Begabung, und nur diese soll gefördert werden. Der Rapper muss also keine Arien singen, die Popsängerin nicht rappen. Noch ein Unterschied: Die Kandidaten teilen einen Wohnpavillon, der am ORF-Areal errichtet wurde. Sie werden zwar nicht, wie beim Voyeurismusformat „Big Brother“, permanent gefilmt, Beiträge aus der „musikalischsten WG des Landes“ wird es aber geben.

Was bei den „Helden“ im Vorfeld für sanfte Aufregung gesorgt hat, ist die Tatsache, dass mit Doris Golpashin eine Anchorwoman der privaten Konkurrenz (Puls4) das ORF-Großprojekt des Herbstes moderiert. Dort freut man sich auf „die Rückkehrerin“, die früher für den ORF gearbeitet hat. Die Aufregung wurde einkalkuliert, wenn nicht sogar herbeigesehnt. Aufregung bringt Aufmerksamkeit – und die vielleicht Quote. Dass der ORF keine eigenen jungen Gesichter für solche Formate hat, weiß er scheinbar. „Es wäre zu riskant, wen Jungen in einem solchen Format zu verheizen“, sagt Unterhaltungschef Edgar Böhm.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2010)

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