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USB-C

EU will endlich ein Ladekabel für alle

Ladebuchsen in Elektrogeraeten
Apple will wegen EU nicht auf seine Lightning-Anschlüsse verzichten.APA/dpa/Mohssen Assanimoghaddam
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Künftig sollen alle tragbaren elektronischen Geräte in der EU eine einheitliche Ladebuchse haben.

Wer mehrere elektronische Geräte sein Eigen nennt, kennt das Problem: Unterwegs muss das Tablet geladen werden, leider findet sich aber nur ein Ladekabel für das Smartphone. In Zukunft sollte das, so der Wunsch der EU-Kommission, kein Problem mehr sein. Einheitliche Ladebuchsen für Handys, Tablets, Kameras, Kopfhörer, Videospiel-Konsolen und andere Geräte dürften das Leben der Konsumenten schon bald erheblich erleichtern.

„Ein einheitliches Ladegerät ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Verbraucherfreundlichkeit“, so der zuständige Binnenmarktkommissar Thierry Breton bei einer Pressekonferenz am gestrigen Donnerstag in Brüssel. Unabhängig von der Marke werden künftig alle Geräte einen USB-C Anschluss haben, kündigt die Behörde an. Die Ladegeschwindigkeit solle bei jedem Gerät die gleiche sein.

Doch der Vorstoß hat auch einen umweltspezifischen Aspekt: Der Kauf eines neuen elektronischen Geräts soll künftig ohne das dazugehörige Netzteil möglich sein, das bisher – mit Ausnahme der neueren Apple-Modelle – in der Schachtel immer mit verpackt war, oft aber ungebraucht in vielen Haushalten herumliegt. Die Kommission erhofft sich so eine Reduktion des jährlichen Elektroschrotts um knapp tausend Tonnen.

Bis es soweit ist, ist allerdings noch ein wenig Geduld nötig: Denn der Vorschlag muss in einem nächsten Schritt vom EU-Parlament und dem Rat der EU (Regierungsvertreter) angenommen werden – ein mitunter zäher Prozess. Danach gilt eine zweijährige Übergangsfrist für betroffene Konzerne, um die Maßnahmen zu adaptieren.

Widerstand von Apple?

Die Frage der Ladegeräte beschäftigt die EU-Institutionen seit mehr als einem Jahrzehnt. 2009 einigten sich 14 Handy-Hersteller – unter ihnen Apple – auf Druck der EU-Kommission in einer Selbstverpflichtung auf einen einheitlichen Standard für Netzteile. Bei den Buchsen in Smartphones und Tablet-Computern blieben von einst mehreren Dutzend Typen noch drei übrig: Das inzwischen veraltete Micro-USB, das neuere USB-C und die dünneren „Lightning“-Anschlüsse von Apple.

Der Gesetzesvorschlag stellt vor allem für den iPhone-Konzern Apple ein Ärgernis dar. Das US-Unternehmen will seinen hauseigenen Lightning-Anschluss behalten, der derzeit in allen iPhones, aber auch manchen Tablet-Modellen wie dem aktuellen iPad 9 verbaut wird. Andere iPad-Modelle verfügen bereits über eine USB-C-Buchse. Apple argumentiert, bei allen Netzteilen setze man ohnehin auf USB-C. Mit einer Zwangsabschaffung der Lightning-Buchse werde eine große Menge an zusätzlichem Elektroschrott entstehen. Der Kommissionsvorschlag sei zudem ein Innovationshemmnis, so Apple.


[RT9AF]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2021)