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Morgenglosse

Böse EU oder noch bösere Pharmakonzerne?

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Leere ImpfdosenAPA/AFP/MARTIN BUREAU
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Die Impfstoffe an die EU-Staaten haben laut einer Rechercheplattform den Unternehmen eine Rendite von bis zu 1838 Prozent beschert. Ist das verwerflich?

Zuerst waren die Impfstofflieferungen zu spät, die EU wurde kritisiert. Dann hieß es, die Vertreter in Brüssel hätten zu viel auf einen erschwinglichen Preis geachtet, zu wenig auf einen raschen Lieferzeitpunkt. Die EU-Kommission wurde erneut kritisiert. Nun, da bekannt wird, dass alle letztlich weit mehr gezahlt haben als geplant, bricht der Mythos von zu knausrigen EU-Verhandlern, der auch von den Pharmakonzernen gestreut wurde, zusammen. Jetzt geraten nicht nur die EU-Verhandler, sondern auch die liefernden Unternehmen in den Fokus der Kritik.

Denn der für diese Impfstoffananbieter durchaus hilfreiche politische Druck auf rasche Lieferungen hat es erlaubt, dass die Preise bei den Nachbestellungen für alle EU-Staaten ordentlich hinaufgeschnellt sind. Das Recherchenetzwerk „Investigate Europe“ spricht von Renditen von 794 Prozent bei Moderna bis zu 1838 Prozent bei Biontech/Pfizer (nicht eingerechnet sind die Entwicklungskosten).

Ist das moralisch noch zu rechtfertigen? Angesichts der Tatsache, dass letztlich nur noch zwei Anbieter die notwendigen großen Mengen an die 27 EU-Staaten liefern konnten, war kein Wettbewerb mehr vorhanden. Rein betriebswirtschaftlich haben die Chefs der beiden Pharmaunternehmen also nachvollziehbar gehandelt.

Böse Pharmakonzerne? Bei allem verständlichen Ärger, sie hätten eine Notsituation ausgenutzt: Die Unternehmen haben den fast 500 Millionen EU-Bürgern innerhalb einer sehr kurzen Zeit eine Lösung für ihr riesiges Problem angeboten. Dass diese Impfstoffe nun auch wirken, untermauert der Blick auf die Belegung der Krankenhäuser, in denen aktuell sehr wenige Geimpfte und eine überwiegenden Mehrheit von Ungeimpften liegt.

Und die böse EU-Kommission? Sie wäre gut beraten, bald für etwas zu sorgen, das die Pharmapreise wieder sinken lässt: ausreichend Wettbewerb in einem lebensnotwendigen Wirtschaftssektor.


[RTB01]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2021)