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Mein Samstag

Bananen-Rennen

Mario Kart
Mario KartNintendo
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Jetzt sind unsere Smartphones tatsächlich äußerst smart – fallen aber gelegentlich durch unsmarte Handlungen auf. So informiert mich die Google-Maps-App gern ungefragt über die Stausituation auf der Strecke von mir daheim in die Arbeit.

Das ist zwar äußerst zuvorkommend, aber auch komplett sinnlos, bin ich doch noch kein einziges Mal mit meinem (nicht existenten) Auto in die Arbeit gefahren und habe selbige Route noch nie gesucht. Dennoch weiß ich jetzt, dass ich zum Beispiel am Dienstag 18 Minuten in die Redaktion gebraucht hätte und dabei „normale Verzögerungen“ hätte in Kauf nehmen müssen. (Mit dem Taxi wären es laut App übrigens nur 17 Minuten.)

Die einzigen Autos, die ich lenke, sind jene, aus denen ich Bananen auf andere Autofahrer werfen darf: Denn ja, das Kind und ich sind in die App „Mario Kart“ hineingekippt und fahren seither Wettrennen am Handy. Fast mehr Spaß als die Rennen selbst macht dem Kind, auszuwählen, mit welcher Figur (und es gibt unübersichtlich viele), welchem Fahrzeug (auch diese gibt es in übergroßer Zahl) und welchem Gleit- und Fallschirm (detto, ab und zu wird auch geflogen) es an den Start geht. Während ich versuche, die für die jeweilige Strecke stärksten Fahrer und Fahrzeuge auszuwählen, geht das Kind ausschließlich nach ästhetischen Überlegungen vor: Fahrer, Auto und Schirm müssen optisch zusammenpassen. So fährt die rosa gekleidete Prinzessin Peach selbstredend im rosa Cabrio mit rosa Fallschirmchen. Interessanterweise gewinnt das Kind mit seinen top gestylten Teams fast immer gegen mich, und ganz generell beschleicht mich langsam das Gefühl, dass mein Zutun für den Rennausgang nicht wesentlich entscheidend ist: Neulich nämlich musste ich ein rasantes Rennen durch (Nintendo-)Sydney unterbrechen, weil in der (Wiener) U-Bahn die Fahrscheine kontrolliert wurden. Obwohl ich das Handy aus der Hand gelegt habe, hat es mein knallgrüner Yoshi ganz ohne mein Zutun als Zweiter ins Ziel geschafft. Wieso swipe ich dann sonst wie blöd und werfe hysterisch mit Bananen um mich? In diesem Sinne: Fahren Sie vorsichtig!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2021)