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Geldanlage

Mit an der Börse gehandelten Fonds am Immo-Boom mitnaschen

Börsengehandelte Indexfonds können eine Option für nicht ganz so große Brieftaschen sein.
Börsengehandelte Indexfonds können eine Option für nicht ganz so große Brieftaschen sein.(c) Getty Images/iStockphoto (NicoElNino)
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Der Immobilienboom lockt auch Kleinanleger an, börsengehandelte Fonds (ETFs) gelten als kostengünstige Alternative. Risikolos sind jedoch auch solche Investments nicht.

Vom Immobilienmarkt kommen im Moment recht ambivalente Signale. Während die Preise weiter steigen und die Nachfrage potenzieller Käufer zumindest im Wohnbereich ungebrochen hoch ist, mehren sich die Warnungen vor einer neuen Blasenbildung. In Österreich äußerte das Finanzmarktstabilitätsgremium erst dieser Tage wieder Bedenken wegen wachsender Systemrisken der Wohnkreditfinanzierung. Und am gewerblichen Sektor herrscht vor allem bei Hotel-, Büro- und Einzelhandelsimmobilien Unklarheit über die langfristigen Auswirkungen der Coronakrise. Global betrachtet, sah der Markt ebenfalls schon ruhigere Zeiten: Hier sind es im Moment vor allem die Turbulenzen rund um den maroden chinesischen Immobilienriesen Evergrande, die für Irritationen sorgen.

1. Warum drängen trotz allem so viele Käufer auf den Immobilienmarkt?

Woran liegt es überhaupt, dass das Interesse an Immobilien trotz alldem so groß ist? Einerseits ist da der ungebrochene Run auf Wohneigentum, den die Coronakrise noch befeuert hat. Die wiederholten Lockdowns spielten dabei ebenso eine Rolle wie der Trend zum Home-Office – das machte bei vielen den Wunsch, die eigene Wohnsituation zu verbessern, noch drängender. Das wiederum bestärkt viele Anleger in der Ansicht, mit Betongold als Geldanlage könne nichts schiefgehen – auch wenn das so pauschal nicht stimmt. Dazu kommt das Zinsentief, das Kredite im Moment billig macht und dadurch die gestiegenen Preise zumindest teilweise abfedert. Noch dazu ist es dank der Nullzinsen unattraktiver denn je, viel Geld auf dem Konto liegen zu lassen oder das Ersparte in festverzinsliche Wertpapiere zu stecken.

2. Welche Rolle spielen Immo-ETFs als Alternative zu „Betongold“?

Aktien von Immobilienfirmen sind eine der Möglichkeiten, am Immobilienboom mitzunaschen, ohne gleich mehrere 100.000 Euro für eine eigene Immobilie in die Hand nehmen zu müssen. Spätestens seit den Turbulenzen, die es ab 2007 auf dem heimischen Immo-Aktienmarkt gab, ist jedoch allgemein bekannt, dass auch da eine breite Streuung der Investments wichtig ist. Diese Möglichkeit bieten Fonds. Und da wiederum erlebt gerade das Segment der börsengehandelten Indexfonds, auch Exchange Traded Funds oder ETFs genannt, ganz generell einen enormen Aufschwung. Vor allem in Europa verzeichnet dieser Markt zur Zeit Rekorde: Nach im September bekannt gegebenen Zahlen von Legal & General Investment Management (LGIM) flossen hier heuer bislang über 115 Mrd. Euro netto in solche Fonds – 100 Mrd. Euro waren es im gesamten Vorjahr. Drei Viertel davon entfielen auf Aktien-ETFs. Diese bilden teils Anlageregionen und teils verschiedene Investmentthemen ab – und gerade die Themenfonds, zu denen auch Immo-ETFs zählen, bekommen derzeit viel Zulauf: Dieser Markt hat sich laut den Zahlen von LGIM in der Zeit von Ende Juni 2020 bis Ende August 2021 von 13,5 Mrd. Euro auf über 38,5 Mrd. Euro fast verdreifacht.

3. Was sind überhaupt Exchange Traded Funds (ETFs)?

Es handelt sich dabei um Fonds, die an der Börse gehandelt werden und einen Index (meist einen Aktienindex) abbilden. Sie machen somit die Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktien mit – nach oben wie nach unten. Weil auf ein aktives Fondsmanagement weitgehend verzichtet wird, gelten ETFs als kostengünstig. Wobei es ein großes Streitthema unter Anlageexperten ist, ob man damit insgesamt besser dran ist als mit einem aktiven Fondsmanagement. Anders gesagt, ob Fondsmanager in der Lage sind, mittels Aktienselektion auf Dauer den Markt zu schlagen und dabei so viel mehr herauszuholen, dass die höheren Kosten überkompensiert werden. Je nach dem Index, der abgebildet wird, sind ETFs in bestimmte Anlagethemen und/oder Regionen investiert (z. B. Europa, Amerika, Asien, global). Immo-ETFs investieren demnach in eine breite Auswahl von Immobilienfirmen. Dazu zählen oft auch sogenannte REITs – Real Estate Investment Trusts –, die im Ruf stehen, besonders hohe Dividenden auszuschütten.

4. Welche Risken sind mit solchen Investments verbunden?

Dass auch Betongold keine sichere Bank ist, wissen wir spätestens seit dem Platzen der US-Immobilienblase, das nicht nur die Immobilienpreise zeitweilig einbrechen ließ, sondern ab 2008 in eine globale Finanzkrise mündete. Immo-ETFs sind zudem vor allem als Aktieninvestments zu sehen. Sie teilen somit die generellen Risken und Schwankungen des Aktienmarkts. Die breite Streuung wirkt dabei risikomindernd. Sollte der gesamte Markt einbrechen, hilft allerdings auch das nicht wirklich. Aktuell ist außerdem unklar, welche Kreise das chinesische Evergrande-Desaster noch ziehen könnte – und dieses Thema berührt sowohl den Immobilien- als auch den Aktienmarkt. Eine gewisse Nervosität auf den globalen Märkten lässt sich nicht leugnen.

AUF EINEN BLICK

In ETFs kann bei einigen Banken auch im Rahmen eines Sparplans investiert werden. Dazu informiert man sich am besten vor Ort. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf Onlinebroker wie die Hello Bank, die auf diverse Starpartner verweisen kann.

Umfangreiche Informationen rund um ETFs inklusive Such- und Vergleichsfunktionen bieten die Websiten www.justetf.com, www.extraetf.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2021)