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Unterwegs

Unterwegs im Urwald Białowieża

Urwald Białowieża in Polen
Urwald Białowieża in Polen(c) imago images/Aleksander Bolbot (Aleksander Bolbot via www.imago-)
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Der Urwald Białowieża ist besser als Yellowstone: Gleiche Fauna, Essen besser, entspanntere Leute.

Plötzlich stand er da: schnaubend, grasend, kackend, riesig. Ein Wisentbulle, keinen Steinwurf neben unserer Feriensiedlung, im spätsommerlichen Abendnebel Ostpolens.

Vier Tage lang waren wir durch diesen größten Urwald Europas gewandert und geradelt, bei jeder Weggabelung besonders genau die Karte studierend, denn einmal falsch abgebogen, und schon läuft man den belarussischen Grenztruppen in die Arme, denen wir, als EU-Bürger, gewiss exzellente politische Geiseln abgegeben hätten. Das soll aber keine Abschreckung sein, Białowieża zu besuchen, im Gegenteil: Hier, an EU-Europas östlicher Grenze, findet sich eine der prachtvollsten Naturlandschaften dieses Kontinents. Der Wisent, dieser europäische Bison, der uns auf dem Heimweg von einem Abendessen im wahrsten Sinn des Wortes über den Weg lief, ist hier ebenso zu Hause wie Elche, Bären, Wölfe, Luchse. In den Kern des Urwalds, seit Ende der 1970er-Jahre ein Unesco-Weltkulturerbe, kommt man nur mit einem amtlich zertifizierten Führer hinein.

Unserer hieß João, einst bei den portugiesischen Special Forces und Leibwächter des Premierministers José Sócrates, heute ein fachkundiger und strenger Wächter und Erklärer des Waldes. „Es wird empfohlen, hier keine chemischen Produkte zu verwenden“, maßregelte er uns dezent, als wir den Gelsen mit ein bisschen Autan begegnen wollten. Das Opfer war's wert. Białowieża, finde ich, ist besser als der Yellowstone-Nationalpark: Man sieht fast dieselben Tiere, doch das Essen ist um Welten besser – und die Leute sind deutlich entspannter, als ich es in meiner Zeit in den USA erlebt habe. ⫻

?oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2021)