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Quergeschrieben

Museen sind keine moralischen Besserungsanstalten

Philip Guston im New Yorker MoMa (2018)
Philip Guston im New Yorker MoMa (2018): Kunst ist – auch – permanente Grenzüberschreitung.(c) imago/Rüdiger Wölk
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Vor genau einem Jahr gaben zwei weibliche und zwei männliche Museumsdirektoren eine eher jämmerliche Vorstellung von Cancel Culture.

Vielleicht erinnern Sie sich noch? Aufgeschreckt von Black Lives Matter und zunehmend rüder geführten Diskussionen über politische Korrektheit, Wokeness, Identitätspolitik und Aneignungskultur machten vor genau einem Jahr die Direktoren (zwei Frauen, zwei Männer, alle weiß) der National Gallery in Washington, der Museen of Fine Arts in Boston und Houston, sowie der Tate Modern in London vor, wie eine hasenfüßige Variante von Cancel Culture aussieht: Sie kündigten an, die Retrospektive des Malers Philip Guston (1913–1980), die schon wegen Covid-19 auf 2021 verlegt wurde, noch einmal zu verschieben – und zwar gleich auf 2024, da 24 Gemälde seines Ku-Klux-Klan-Zykluses fehlinterpretiert werden und das Publikum verstören könnten. In seinen cartoonesken Bad Paintings hatte sich der jüdische, antirassistische, deklariert linke Guston, der bereits als Kind unter Übergriffen des Ku-Klux-Klans litt, mitunter auch sich selbst als Kapuzenmann gemalt: „Ich versuchte mir vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn ich mit dem Klan leben würde“, erklärte er recht unmissverständlich.