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Börsenreport

An den Börsen macht sich etwas Entspannung breit

Der Bulle vor der Frankfurter Börse. Für ein Durchstarten fehlt noch der Mut.APA/AFP/DANIEL ROLAND
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Die Bundestagswahl ist geschlagen, die Kollapsgefahr beim chinesischen Konzern Evergrande etwas entschärft. Für eine neue Euphorie an den Börsen reicht das aber noch nicht.

Die Anleger an den europäischen Aktienmärkten haben mit Erleichterung auf den Ausgang der Bundestagswahl reagiert. Der deutsche Leitindex Dax stieg am Montag ein halbes Prozent, der Euro Stoxx 50 um 0,3 Prozent. Allerdings schrumpften die Gewinne am Nachmittag wieder etwas zusammen. In den USA starteten die Börsen mehrheitlich schwächer in den Handel.

„Aus Marktsicht sind keine signifikanten Änderungen der Politik zu erwarten“, sagte Volkswirt Marchel Alexandrovich von der Investmentbank Jefferies hinsichtlich des deutschen Wahlergebnisses. Viele Anleger seien erleichtert, dass eine rot-grün-rote Regierung keine Option sei, stimmten Börsenexperten überein. „Damit ist das größte Risiko aus Finanzmarktsicht ausgeräumt“, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. „Wichtig wird allerdings, wer den Posten des Finanzministers besetzt“, betonte Alexandrovich. Die Ausgaben würden wegen der Investitionen in Klimaschutz oder Infrastruktur aber auf jeden Fall steigen. Sollte die FDP das Ressort bekommen, werde der Zuwachs aber wohl geringer ausfallen als unter SPD oder Grünen.
Die größten Kursgewinne fuhr im Dax der Immobilienkonzern Vonovia mit einem Plus von rund vier Prozent ein, obwohl sich in einem Volksentscheid die Mehrheit der Berliner für die Enteignung großer Immobilienkonzerne in der Hauptstadt ausgesprochen hatte. Unabhängig davon sicherte sich Vonovia die Mehrheit am Rivalen Deutsche Wohnen. Dessen Papiere notierten knapp im Plus.

Der Ölpreis kennt kein Halten

Gefragt waren nach der Wahl auch die Aktien von Siemens Energy, die um rund drei Prozent stiegen. Die Aktien des Windkraftanlagenbauers Siemens Gamesa, die spanische Siemens-Energy-Tochter, legten in der Spitze um 2,2 Prozent zu.

Deutschland war freilich nicht das einzige Thema, das Anleger am Montag beschäftigte. Ein weiteres war die Entwicklung am Ölmarkt. Die weiterhin hohe Nachfrage infolge der Konjunkturerholung nach dem Corona-Einbruch treibt den Preis für Rohöl. Dazu kommen auf der Angebotsseite unwetterbedingte Förderausfälle in den USA. Die Sorte Brent aus der Nordsee gewann knapp zwei Prozent und ist mit 79,9 Dollar je Barrel so teuer wie zuletzt vor drei Jahren.

Vor diesem Hintergrund stieg der Index für die europäische Öl- und Gasbranche um knapp zwei Prozent. Die Titel der Ölmultis Shell, BP und Total Energies zogen ebenfalls um rund zwei Prozent an. In den USA kletterten Branchengrößen wie Chevron oder Exxon Mobil um etwa drei Prozent. Die Analysten von Goldman Sachs trauen Brent bis zum Jahresende einen Preis von 90 Dollar zu. Hält er sich allerdings zu lang in großer Höhe, kann er zur Konjunkturbremse werden.

Aufatmen bei Evergrande

Erleichtert gaben sich Anleger gestern indes hinsichtlich des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande. Es schwinde die Furcht vor einem Börsenbeben bei einem Kollaps des mit rund 300 Milliarden Dollar verschuldeten Giganten, sagte Analyst Kyle Rodda vom Brokerhaus IG. Seine Kollegen von der Bank JP Morgan gehen davon aus, dass die Regierung in Peking den Schuldenabbau in der Branche vorantreiben, gleichzeitig aber Ansteckungseffekte begrenzen wird.

Die chinesische Zentralbank pumpte am Montag erneut 15,5 Mrd. Dollar in die Finanzmärkte, nachdem sie vorige Woche bereits dreimal so viel injiziert hatte. Evergrande hatte am Freitag eine Frist für die Anleihezinsen verstreichen lassen. Die Probleme des Immobilienkonzerns wirken sich zunehmend auch auf zugehörige Gesellschaften aus.

(Apa/Reuters/est)