Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Interview

„Die Physik ist in eine Sackgasse geraten“

Wie funktioniert das Weltall? Die deutsche Astrophysikerin Sibylle Anderl (39) gab beim Philosophicum Lech neue Antworten auf ganz alte Fragen.Miro Kuzmanovic
  • Drucken

Sibylle Anderl ist Astrophysikerin und Philosophin. Über den Computerbildschirm als Sternenhimmel, Zweifel an der dunklen Energie und warum die Naturwissenschaften in der Pandemie nicht ausreichen.

Die Presse: Schauen Sie in den schönen Sternenhimmel über Lech anders als wir Laien?

Sibylle Anderl: Nein, mein Blick ist recht naiv. Ich bin Radioastronomin, beschäftige mich mit Wellenlängen, die wir mit bloßem Auge nicht sehen können. Mein Nachthimmel ist der Computerbildschirm.

Wenn ich grüble, ob der Kosmos endlich ist oder wie mit dem Urknall die Zeit entstanden ist, wird mir schwindelig. Ihnen auch?

Wir Physiker haben einen Vorteil: eine Art mathematische Anschauung. Durch das Rechnen und Herleiten finden wir Strukturen in den Gleichungen, die uns Zusammenhänge implizit verstehen lassen. Das birgt die Gefahr, dass man über Seltsames gar nicht mehr nachdenkt. Sobald man es in Alltagssprache vermitteln will, braucht man Analogien. Wie das Schwarze Loch, das kein Loch ist, sondern eine Singularität in der Raumzeit. Oder wie das Bild für ein endliches, aber grenzenloses Universum: Wir sind wie Ameisen, die in einem Fahrradschlauch herumkrabbeln und an kein Ende kommen. Aber diese Vergleiche hinken, weil wir nicht vierdimensional denken können.

Sie hinterfragen die Methoden der Astrophysik. Warum ist das wichtig?